Der älteste Kunde der Kalkindustrie ist das Baugewerbe. Hier wird der Kalk zum Anmischen von Mörtel auf der Baustelle seit Jahrtausenden eingesetzt. Seither ist Kalk – als naturbelassenes Mineralgemisch oder in seiner veredelten Form als Kalk oder Kalkhydrat – von keiner Baustelle mehr wegzudenken.

Werktrockenmörtel ist die Sammelbezeichnung für Mörtel zum Mauern oder Putzen, der in einem Mörtelwerk fabrikmäßig hergestellt und anschließend an die Baustelle transportiert wird, um dort mit Wasser zu gebrauchsfertigem Mörtel angemischt zu werden.

Nur noch selten sieht man einen Maurer, wie er den Mörtel nach alter Art anrührt: Mit der Schaufel füllt er Sand, Kalk, manchmal auch Zement oder Gips in die Mischmaschine ein. Sie werden so lange durchgerührt und mit Wasser durchgemengt, bis ein verarbeitungsfähiger Mörtel zum Mauern oder Putzen entsteht.
Die Herstellung und Verarbeitung von Mörtel ist immer mehr mechanisiert worden. Die entscheidende Innovation für den Bau in den letzten Jahrzehnten war jedoch die Erfindung des Werktrockenmörtels: Fertig gemischte Baustoffe, die lange gelagert werden können und erst vor Ort mit Wasser aktiviert werden.
Sie dienen zum Mauern, Putzen, zur Wärmedämmung und Oberflächengestaltung, als Estrich und zum Fliesenkleben. Für jeden speziellen Zweck werden geeignete Werktrockenmörtel unter Verwendung von Kalk angeboten.
Die Lieferung in transportablen Silos erleichtert dem Bauherrn die Verwendung. Er verbraucht nur soviel, wie er wirklich für seinen Bau benötigt. Anschließend kommt der Lkw und holt das Silo wieder ab. Es wird im Werk verwogen, Abfälle werden vermieden.
Eine weitere Innovation bildet der Kalksandstein. Wie der Name schon verrät, besteht er aus Feinkalk und Quarzsand. Die Mischung ergibt mit Wasser eine Rohmasse, die in Pressen zu Steinquadern geformt wird. Anschließend werden die Blöcke in Druckkesseln, den Autoklaven, unter Wasserdampfdruck von 16 bar und einer Temperatur von 200 °C gehärtet.

Diese Härtung (Fachbegriff: Hydrothermalsynthese) bewirkt eine Reaktion von Kalk und Quarzsand, die neue Kristalle hoher Festigkeit entstehen lässt. Sie geben dem Kalksandstein seine Dichte und Stabilität.
Aber auch andere Vorteile machen den Kalksandstein bei Bauherren beliebt. Seine herausragenden schallisolierenden Eigenschaften, gute Feuerfestigkeit und Maßgenauigkeit und seine angenehmes Wohnklima sind besondere Pluspunkte. Dazu bietet die ästhetisch weiße Oberfläche Architekten attraktive Gestaltungsmöglichkeiten für Sichtmauerwerke.
Gegenüber dem Kalksandstein wirkt der Porenbeton wie ein Leichtgewicht. Trotz der gleichen Zutaten, Quarzsand, Kalk und Wasser, manchmal auch etwas Zement, entsteht durch die Zugabe von etwas Aluminium ein völlig anderer Baustoff.

Durch die Zugabe von Aluminium wird die flüssige Masse in Formen zu einem Block aufgeschäumt. Nach dem Ansteifen und vor dem Härten wird der Porenbetonblock durch leichte Bandsägen zerschnitten. Die Steine erhalten die gewünschten Maße.
Der natürliche Kalk gibt diesem Baustoff seine wichtigste Eigenschaft: Hervorragende Wärmedämmung bei geringem Gewicht. Beim Aufschäumen entsteht nämlich Wasserstoff, der Millionen kleinster Poren bildet. Das macht Porenbeton zu einem besonders wärmeisolierenden Baustoff; die Luft in seinen Poren ist die beste Isolation und hält die teure Heizwärme im Raum fest, gleicht aber Feuchtigkeitsschwankungen aus und sorgt damit für ein gesundes Raumklima.
Je Kubikmeter Porenbeton werden etwa 150 bis 175 Kilogramm Branntkalk benötigt.
Beton besteht aus drei Komponenten: Zement, Wasser und Zuschlag. Für diesen Zuschlag haben sich Kalk- und Dolomitstein bestens bewährt: Schotter, Splitt oder Brechsand erfüllen höchste Anforderungen an Druck-, Biegezug- und Spaltzugeigenschaften. Der Grund: Kalkstein geht durch die enge Verwandtschaft mit dem Bindemittel Zement eine besonders haltbare Verbindung ein.

Bemerkenswert ist die schnelle Entwicklung der Frühfestigkeit – Kalksteinbetonteile können damit früher ausgeschalt werden, was Zeit und Geld spart. Die geringe Wärmedehnung des Kalksteinzuschlags ist bei Massenbeton, wie er zum Beispiel im Talsperren- oder Brückenbau verwendet wird, von zusätzlichem Vorteil.
Wirtschaftliche Vorteile bietet Kalksteinbeton auch überall, wo Bauteile mit erhöhtem Feuerwiderstand geplant werden. Und die vielfältigen Möglichkeiten zur Oberflächenveredlung eröffnen grenzenlosen Gestaltungsspielraum als Sichtbeton.
... denn Kalk ist bereits im Untergrund aktiv, bevor eine Straße entsteht. Wenn der Boden zu nass oder zu trocken ist, fehlt die Tragfähigkeit. Erst mit Kalk wird sie erreicht.

Mit speziellen Fräsen wird Kalk in den Boden eingemischt. Durch die chemischen und physikalischen Prozesse zwischen Kalk und Bodenbestandteilen entsteht eine neue Bodenstruktur. Erst jetzt wird der Boden mit Walzen verdichtet und erhält seine langfristige Tragfähigkeit. Denn Kalk reguliert die Feuchtigkeit und macht den Unterbau widerstandsfähiger gegen Frost.
Das wussten übrigens schon die Menschen der Antike, die bereits Kalk als Bodenstabilisator einsetzten. Sie taten gut daran: Die chinesische Mauer steht heute noch, und zahlreiche römische Verkehrswege sind bis heute befahrbar. Dass die antiken Bauten bis heute überdauern konnten, hat einen guten Grund: Der Boden wurde mit Kalk behandelt.


Kalkstein findet in allen Schichten des Straßenbaus Verwendung. Der Straßenoberbau beginnt mit den Tragschichten. Die unterste Schicht, die sog. erste Tragschicht oder Frostschutzschicht, besteht aus Kalksteinbaustoffgemisch. Das heißt: Kalksteine unterschiedlicher Größe werden nach einer definierten Sieblinie zusammengestellt.
Auf die Frostschutzschicht werden weitere Tragschichten aufgebracht, die entweder ungebunden oder mit Bitumen oder mit hydraulischen Bindemitteln gebunden sind.
Den oberen Abschluss des Straßenoberbaues bilden entweder Asphaltbinder- und Asphaltdeckschicht oder eine Betondecke. Für alle diese Schichten ist Kalkstein gut geeignet. Kalkstein und Bitumen haben eine hervorragende Haftfähigkeit zueinander. Aus diesem Grunde sind Kalksteinmehl und Kalkstein in vielen Fahrbahnbefestigungen aus Asphalt zu finden.

