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27.01.2017
Die digitale Alterskluft

Social Media Age Gap: Die digitale Alterskluft

„Digital Native“ oder „Digital Immigrant“? Insider erkennen den Unterschied schon daran, ob jemand seine WhatsApp-Nachrichten mit beiden Daumen oder dem Zeigefinger tippt. Die Altersgrenze, die geborene Onliner von angelernten trennt, zieht man derzeit gemeinhin bei etwa 35 Jahren. Weltweit nutzen unter 35-Jährige Twitter, Facebook und andere soziale Medien viel intensiver als ältere Erwachsene. Doch nirgendwo ist der Generationenunterschied so groß wie in Deutschland.

Deutsche Über-35-Jährige nutzen Social-Media am wenigsten

Der Generationenunterschied manifestiert sich vor allem in der Nutzung des Internets: So kommen von den unter 35-Jährigen weltweit kaum noch welche ohne soziale Medien aus, während sich die Älteren bei Facebook, Twitter und Instagram eher zurückhalten. Besonders auffällig ist dieses Phänomen vor allem in Deutschland, wo von den Älteren nur 39 Prozent in den sozialen Netzwerken aktiv sind, während der Anteil bei den Jüngeren 81 Prozentpunkte beträgt. Das fanden Forscher des Pew Research Center heraus, als sie Bürger aus dreißig Ländern in ihrer Social-Media-Nutzung befragten. Vergleichbar groß ist der Abstand zwischen Jung und Alt lediglich in Frankreich, wo er bei 41 Prozentpunkten liegt. Schon beim drittplatzierten Vietnam sind es nur 37 Punkte.

Ohne Social-Media wird man zum Außenseiter

Wie viele Menschen Zugang zu den Online-Daten haben, hängt in erster Linie vom Entwicklungsstand eines Landes ab; also vom Ausbau der Infrastruktur und davon, wer sich ein Smartphone oder ein anderes internetfähiges Endgerät leisten kann. Die Gründe für den weltweit großen Social-Media-Gap, der Alterskluft bei Nutzung der sozialen Medien, liegen allerdings woanders. Einmal gehen die Forscher davon aus, dass ältere Erwachsene den Umgang mit den sozialen Medien erst lernen müssen. Viel seltener teilen Menschen dieser Altersklasse Bilder und Videos mit ihren Freunden. Zudem sind sie meist nur mit jenen Menschen über soziale Medien verbunden, mit denen sie auch im realen Leben besser bekannt oder befreundet sind. Viele „Digital Natives“ dagegen nehmen jeden, zu dem sie einen Berührungspunkt haben, in ihr virtuelles Netzwerk auf – und leiten aus dessen Größe ihren sozialen Status ab. Für viele Jüngere geht es schon deshalb nicht mehr ohne WhatsApp und Instagram, weil alle Freunde diese Kommunikationsmedien nutzen – und wer sich verweigert, wird zum Außenseiter.

Social Media: Verlässlichere Informationen in politisch unruhigen Ländern

Zudem gibt es wirtschaftliche und politische Gründe, Social Media zu nutzen. Dass der Gap in Deutschland und vielen anderen Industriestaaten so groß, in wirtschaftlich schwachen Ländern dagegen klein ist, hängt auch mit der Altersstruktur der jeweiligen Bevölkerung zusammen: Es gibt hierzulande aufgrund des demografischen Wandels relativ gesehen wenige „Digital Natives“, die die Älteren mitziehen könnten. Eine wichtige Rolle spielen aber auch der Ausbau der sonstigen Kommunikationsnetze und die politische Unabhängigkeit der Massenmedien. So bietet beispielsweise das Fernsehen in Deutschland verlässliche Informationen, in Kenia dagegen lassen sich Daten am einfachsten via Smartphone austauschen. Besonders in politisch unruhigen Ländern sind die sozialen Netzwerke die schnellste Informationsquelle – und sind vom Staat am schlechtesten zu kontrollieren.