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17.02.2017
Ein guter Chef ist ein guter Coach

Führungskompetenz: Ein guter Chef ist ein guter Coach

Für das Bedienen von Maschinen wird ein Befähigungsnachweis verlangt – für das Führen von Mitarbeitern in der Regel nicht. Meist reicht es aus, ein guter Fachmann zu sein – ab einer bestimmten Hierarchiestufe kommt die Personalverantwortung mehr oder weniger automatisch dazu. Dabei warnen Experten seit Langem vor dieser Beiläufigkeit.

Nur 38 Prozent bescheinigen ihrem Chef Kritikfähigkeit

Denn ganz von allein läuft das Chef-Sein eben nicht, wie Studien regelmäßig bestätigen. Eine Befragung durch das Institut für Demoskopie Allensbach zeigt, dass nur rund ein Fünftel der akademischen Nachwuchskräfte mit ihrem direkten Vorgesetzten sehr zufrieden ist. Doch immerhin fühlen sich 60 Prozent mit ihrer Führungskraft im Großen und Ganzen wohl. Die meisten Nachwuchskräfte bescheinigen ihren Vorgesetzten außerdem große fachliche Fähigkeiten, Entscheidungs- sowie Durchsetzungsstärke. Auch bestätigt eine Mehrheit ihren Führungskräften, selbstständiges Arbeiten zu fördern und den Mitarbeitern Freiräume zu geben. Allerdings finden es Nachwuchskräfte schade, dass sich der Vorgesetzte zu wenig Zeit für den Austausch mit ihnen nimmt, um die eigenen Potenziale und Talente zu fördern. Nur 38 Prozent der akademischen Nachwuchskräfte bescheinigen ihrem Chef, offen für Kritik zu sein. Viele Vorgesetzte sind von ihren Kompetenzen als Führungskraft selbst überzeugter als die eigenen Mitarbeiter. In 26 der 27 abgefragten Kompetenzen und Verhaltensweisen schätzten sich die Führungskräfte selbst als besser ein, als es ihnen die Nachwuchskräfte attestierten.

Mitarbeiter mit viel Freiheit und Verantwortung arbeiten besonders effektiv

Noch wichtiger als die einzelnen Kompetenzen, die eine Führungskraft mitbringen und praktizieren sollte, dürfte ihr Führungsstil sein. Neben den gängigen Varianten wie befehlend, visionär, leistungsorientiert, demokratisch, gefühlsorientiert und beratend hat sich in der Wissenschaft der transformationale Führungsstil als besonders innovationsförderlich herausgestellt. Dabei handelt eine Führungskraft als fachliches und moralisches Vorbild –  sie vermittelt eine begeisternde Vision und ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Außerdem fördert sie jeden Mitarbeiter entsprechend seinen individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen.Kernelemente des transformationalen Führungsstils sind die Wertschätzung der Mitarbeiterkompetenzen sowie die Delegation von Entscheidungen. Mitarbeiter, die einen solchen Chef haben, erhalten einen großen Handlungsspielraum, viel Freiheit und viel Verantwortung. Der transformationale Führungsstil ist vor allem dann besonders effektiv, wenn sich in einem Unternehmen oder einer Organisation betriebliche Prozesse und Strukturen verändern. Denn wenn die Führungskraft ihre Mitarbeiter zu Eigeninitiative und kreativer Problemlösung anregt und gleichzeitig attraktive Entwicklungsperspektiven aufzeigt, sind die Beschäftigten in der Regel auch besonders kreativ und leistungsfähig.

Frauen sind die besseren Chefs

Die umfangreichste deutsche Untersuchung zur transformationalen Führung stammt von der Business School an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Die Studie mit mehr als 14.000 Teilnehmern, von denen 75 Prozent Führungskräfte waren, zeigt unter anderem, dass Frauen in der Regel die besseren Chefs sind. Denn bei allen Kompetenzen, die Beschäftigte von einer guten Führungskraft erwarten, schneiden die weiblichen Vorgesetzten im Schnitt besser ab als die männlichen. Das für seine Personalpolitik häufig gelobte Unternehmen Google ist von der Idee der transformationalen Führung übrigens so überzeugt, dass es seine Führungsprinzipien daraus abgeleitet hat. Google-Bosse werden dazu angehalten, ihrem Team zuzuhören, sich nicht um jede Kleinigkeit zu kümmern sowie produktiv und ergebnisorientiert zu sein. Die erste Regel für sie lautet: „Sei ein guter Coach.“