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28.04.2017
Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit

Einerseits arbeiten die Bundesbürger immer weniger – andererseits arbeiten sie mehr unbezahlt als bezahlt. Die jüngsten Daten zur sogenannten Haushaltsproduktion fördern Erstaunliches zutage.

Immer mehr Deutsche arbeiten Teilzeit

Was machen die Leute mit ihrer Zeit? Diese Frage hat das Statistische Bundesamt vom Sommer 2012 bis zum Sommer 2013 rund 5.000 Haushalten mit 11.000 Personen ab zehn Jahren gestellt. Zwar hat es lange gedauert, bis die Ergebnisse vorlagen, dafür sind sie umso überraschender – zumindest beim Thema Arbeit: Die Zahl der bezahlten Arbeitsstunden ist von 69 Milliarden im Jahr 1992 auf 66 Milliarden im Jahr 2013 zurückgegangen – obwohl die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Zeitraum um fast vier Millionen gestiegen ist.

Der Grund für diesen scheinbaren Widerspruch ist eine abnehmende Arbeitszeit je Beschäftigtem, zum Beispiel durch vermehrte Teilzeit. Noch überraschender ist vielleicht, dass die bezahlte Arbeit keineswegs die Hauptbeschäftigung der Bundesbürger ist: Im Jahr 2013 haben die Bundesbürger 89 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit geleistet.

Zu dieser sogenannten Haushaltsproduktion zählen Haus- und Gartenarbeit, Pflege und Betreuung, Ehrenämter sowie der Bereich Bauen und Handwerk – darunter zum Beispiel Eigenleistungen wie Tapezieren. Gesamtfazit: Die Deutschen arbeiten mehr unbezahlt als bezahlt und insgesamt weniger als noch vor knapp 25 Jahren.

Ein Drittel mehr unbezahlte als bezahlte Stunden

Zwar ist auch die Zahl der unbezahlten Arbeitsstunden gesunken – seit 1992 sogar fast dreimal so stark wie bei der bezahlten Arbeit. Dies liegt an der gestiegenen Erwerbsbeteiligung der Frauen, der rückläufigen Zahl an Kindern und an dem Trend, Hausarbeiten wie Kochen durch den Griff zu vorgefertigten Nahrungsmitteln zu ersetzen und externe Dienstleister sowie Kinderbetreuungseinrichtungen in Anspruch zu nehmen.

Trotzdem kamen die Bundesbürger im Jahr 2013 auf rund ein Drittel mehr unbezahlte als bezahlte Arbeitsstunden. Setzt man den Nettostundenlohn von Hauswirtschafterinnen oder Hauswirtschaftern an, dann waren die 89 Milliarden unbezahlten Arbeitsstunden des Jahres 2013 rund 826 Milliarden Euro wert. Insgesamt ergibt sich für 2013 eine Bruttowertschöpfung von 987 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die im Bruttoinlandsprodukt erfasste gesamtwirtschaftliche Bruttowertschöpfung belief sich 2013 auf gut 2.500 Milliarden Euro, das Verarbeitende Gewerbe kam auf 570 Milliarden Euro.