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31.03.2017
Städte machen arm

Städte machen arm

Unterschiedliche Preisniveaus führen dazu, dass in den deutschen Städten ein deutlich höherer Anteil der Einwohner armutsgefährdet ist als auf dem Land. Die Politik sollte daher die regionale Förderung neu auszurichten.

15,4 – so viel Prozent aller Bundesbürger waren 2014 nach offizieller Definition einkommensarm. Das heißt, sie hatten weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung. Um wirklich beurteilen zu können, wie verbreitet Armut in Deutschland ist, muss man jedoch einschätzen, was die Menschen sich von ihrem Einkommen leisten können. Das wiederum ist eine Frage der Kaufkraft und damit des Preisniveaus. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat deshalb die Schwellenwerte für Einkommensarmut um die unterschiedlichen Preisniveaus in den Städten und Kreisen bereinigt – aus Einkommensarmut wird damit Kaufkraftarmut.

In Städten sind 21 Prozent der Einwohner kaufkraftarm

Als einkommensarm gelten gut 19 Prozent der Ost-, aber nur etwas mehr als 14 Prozent der Westdeutschen. Allerdings ist das Preisniveau in den ostdeutschen Bundesländern um gut 5 Prozent niedriger als im Westen. Die Folge: Das Ost-West-Gefälle schrumpft durch die Preisbereinigung – knapp 15 Prozent kaufkraftarmen Bürgern im Westen stehen weniger als 17 Prozent im Osten gegenüber. Ohne die unterschiedlichen Preisniveaus zu berücksichtigen, liegt die Armutsquote in den Städten durchschnittlich bei 19 Prozent und auf dem Land bei rund 15 Prozent.

Aufgrund der höheren Lebenshaltungskosten sind in den Metropolen aber gut 21 Prozent der Einwohner kaufkraftarm – auf dem Land beträgt der Anteil dagegen weniger als 14 Prozent. Dieses Stadt-Land-Gefälle zeigt sich auch, wenn man einzelne Regionen in ganz Deutschland betrachtet. Auf der Liste der Gebiete mit der höchsten Kaufkraftarmutsquote stehen nur Städte, während die geringsten Anteile an kaufkraftarmen Einwohnern allesamt in Landkreisen – vornehmlich im Süden – zu verzeichnen sind.

Arbeitsmarktchancen müssen verbessert werden

Zwar machen Städte arm, allerdings sind hier tendenziell arme Bevölkerungsgruppen auch überproportional stark vertreten. So finden etwa Alleinerziehende in Städten leichter eine nahe gelegene Kita. Und auch Alleinstehende und Arbeitslose sind häufiger Stadt- als Landbewohner. Wenn die Politik Armut bekämpfen will, muss sie deshalb vor allem die Arbeitsmarktchancen derartiger Risikogruppen verbessern. Dabei ist zum einen die Bildungspolitik gefordert. So könnte eine flächendeckende Ganztagsbetreuung für unter Dreijährige dazu führen, dass zusätzlich 84.000 Alleinerziehende einen Vollzeitjob aufnehmen und weitere 26.000 Teilzeit arbeiten. Und für Migranten müsste die Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Abschlüsse erleichtert werden – etwa durch passende Weiterbildungsangebote.

Hohe Gewerbesteuern müssen gesenkt werden

Zum anderen ist aber auch ein Kurswechsel in der Regionalpolitik nötig, die bisher primär auf den ländlichen Raum ausgerichtet war. Sie sollte künftig stärker Städte mit Strukturproblemen und hoher Arbeitslosigkeit in den Blick nehmen. Eine Option wäre zudem ein Programm, das es überschuldeten Kommunen erlauben würde, ihre oft sehr hohen Gewerbesteuersätze zu senken, Altindustrie- und Gewerbeflächen zu revitalisieren sowie die Ansiedlung von Kleinbetrieben zu fördern. Dies ließe sich auch mit entsprechenden Maßnahmen der Städtebauförderung verbinden. All dies könnte zusätzliche Arbeitsplätze schaffen und so dazu beitragen, die Armutsquoten in den Städten zu senken.