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01.09.2017
Arbeitskräftemangel bremst Wachstum aus

Wie wird sich die deutsche Wirtschaftsleistung im demografischen Wandel entwickeln? Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat dies bis ins Jahr 2035 vorausberechnet. Demnach wird die Produktivität zwar weiter steigen – doch die sinkende Zahl der Erwerbstätigen dämpft das Wachstum spürbar.

Gibt es mehr Einwohner, erhöhen sich Konsum und Investitionen – und die Unternehmen produzieren mehr. Um das sogenannte Produktionskapital zu beziffern, braucht es Prognosen darüber, wie sich Arbeit, Kapital und der technische Fortschritt entwickeln.

Potenzialwachstum halbiert sich

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat eine Prognose bis zum Jahr 2035 erstellt. Der Analysezeitraum wurde gewählt, um den Renteneintritt der Babyboomer-Generation zu erfassen. Denn wenn diese große Bevölkerungsgruppe aus dem Erwerbsleben ausscheidet, bedeutet das erhebliche demografische Herausforderungen – trotz des Zuzugs von Flüchtlingen und Fachkräften aus dem Ausland. Zum Beispiel wird sich das erwartete Potenzialwachstum der deutschen Wirtschaft von aktuell 1,7 Prozent bis 2035 mehr als halbieren.

Immer weniger Menschen arbeiten

Hinter der Berechnung steckt die Annahme, dass der technische Fortschritt auch in Zukunft einen mehr oder weniger gleichmäßigen Wachstumsbeitrag zum Bruttoinlandsprodukt liefern wird. Dass immer weniger Menschen in Deutschland arbeiten, wird also nicht durch bahnbrechende Innovationen ausgeglichen werden – und gleiches gilt für den Einsatz des Faktors Kapital: Hier werden sich im Zeitablauf durchgehend positive, aber nachlassende Wachstumsbeiträge zeigen.

Der Mangel an Arbeitskräften wird das Wachstum in Deutschland immer stärker ausbremsen – und zwar schon ab der ersten Hälfte der 2020er Jahre. Mit dem Wechsel in die übernächste Dekade erreicht der Bremseffekt auf das BIP dann einen Drittelprozentpunkt pro Jahr. Denn 2031 wird die „Rente mit 67“ komplett umgesetzt sein, womit dieser leicht kompensatorische Effekt auf den Faktor Arbeit wegfällt.

Einkommen verteilt sich ungleicher

Ab dem Ende der 2020er Jahre wird die Produktivität steigen, aber die Einkommen werden geringer anwachsen. Denn über den technischen Fortschritt und die verbesserte Kapitalausstattung der Arbeitsplätze werden die Arbeitskräfte produktiver. Der demografische Wandel hat also gesellschaftlich gesehen eine unschöne Folge: Die Einkommen der schrumpfenden Zahl von Erwerbstätigen werden im Schnitt kräftiger steigen als die Bezüge all jener, die dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen. Einer stärkeren Umverteilung von den Arbeitenden hin zu allen anderen sind derweil enge Grenzen gesetzt – weil ansonsten Arbeits- und Leistungsanreize wegfallen würden.