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21.08.2014
Arbeitsorganisation: Mobiles Arbeiten hat noch Potenzial

Hierzulande wird in jedem fünften Unternehmen Telearbeit praktiziert. Allerdings ist das Potenzial wesentlich größer, wenn auch nicht jeder Job und nicht jeder Mitarbeiter für das Arbeiten von zu Hause geeignet ist.

Es war ein Paukenschlag: Im Februar 2013 holte ausgerechnet das Internetunternehmen Yahoo seine Mitarbeiter zurück in die Büros und hob das Prinzip des Homeoffice auf. Die rund 11.500 Beschäftigten sollten wieder in ihren Büros anwesend sein. Denn laut Mitteilung damals entstünden die besten Erkenntnisse in Gesprächen auf dem Flur oder in der Cafeteria. Tatsächlich war bei Yahoo die eigentliche Telearbeit zur Teleheimarbeit „verwildert“. Viele Beschäftigte hatten sich verselbstständigt, ihre Führungskräfte konnten nicht einmal sagen, woran ihre Mitarbeiter gerade arbeiteten und wann mit Ergebnissen zu rechnen sei. Dies ist aber eine Bedingung für erfolgreich funktionierende Telearbeit.

Wie es in Deutschland aussieht

In Deutschland bietet momentan insgesamt gut ein Fünftel aller Unternehmen seinen Beschäftigten Telearbeit an. Sie können von zu Hause aus über eine Datenfernverbindung mit der Firma kommunizieren. Bei großen Unternehmen sind es sogar 36 Prozent – denn alles, was Menschen am Computer machen, können sie theoretisch überall erledigen. Die Unternehmen bauen dafür sichere Internet-Verbindungen auf, und so können Versicherungsfachleute ihre Schadensfälle, Finanzbeamte ihre Akten oder Ingenieure ihre Planungen am PC zu Hause bearbeiten.

Zugleich kommt diese Form des Arbeitens den Bedürfnissen der Mitarbeiter entgegen. Denn das Homeoffice bietet mehr Zeitsouveränität als das Büro. So können familiäre oder ehrenamtliche Verpflichtungen besser mit den beruflichen Tätigkeiten verbunden werden. Nach einer BITKOM-Umfrage aus dem Jahr 2013 arbeitet heute schon jeder zweite Beschäftigte mindestens einmal pro Monat von zu Hause aus, ein Fünftel der Berufstätigen sogar täglich. Gerade die Generation der sogenannten „Digital Natives“, aufgewachsen mit Smartphone, Tablet und PC, liebt das Anywhere-Prinzip: Beim mobilen Arbeiten kommt es nur noch auf die Ergebnisse an und nicht mehr darauf, von wo sie geliefert werden.

Telearbeit nicht für alle

Yahoo hat aber den Finger in eine Wunde gelegt: Nicht jeder Mitarbeiter eignet sich als Telebeschäftigter und nicht jede Führungskraft als Telemanager. Bei den Mitarbeitern ist es wichtig, dass sie selbstständig arbeiten können und nicht andauernd eine Rückmeldung zu ihrer Arbeit benötigen. Sie müssen vertrauenswürdig sein und ein geeignetes häusliches Umfeld haben mit entsprechenden Räumlichkeiten. Auch die Familie muss akzeptieren, dass Mutter oder Vater im heimischen Büro für eine gewisse Zeit ungestört arbeiten möchten.

Auch sind viele Tätigkeiten für Telearbeit ungeeignet:  Pflegejobs in  Altenheimen sowie Kfz-Reparaturen, aber auch Sekretariatsarbeiten wie die Vorbereitung von Präsentationsmappen. Teure leistungsfähige Technik steht nur im Büro vor Ort zur Verfügung. Die Führungskraft, der Telemanager, sollte wiederum Vertrauen in die Mitarbeiter haben und sie mit Zielvereinbarungen führen, sodass die Beschäftigten genau wissen, welche Ergebnisse wann in welcher Qualität erwartet werden. Auch bei den Führungskräften selbst ist der Wunsch nach mobilem Arbeiten höher als die tatsächliche Umsetzung, so eine Umfrage des Bundesverbandes der Personalmanager und des Bundesfamilienministeriums. Immerhin – mehr als die Hälfte von ihnen gibt an, mobil arbeiten zu können – aber 90 Prozent würden es gerne tun.

Arbeit am PC ist die Regel

In den kommenden zehn Jahren wird die Zahl der Beschäftigten und Führungskräfte, die von daheim arbeiten, weiter steigen. Heute sind es in der Finanz- und Versicherungsbranche bereits praktisch alle. Rund 15 Prozent aller Beschäftigten erhalten dazu von ihrem Arbeitgeber einen mobilen Computer mit Internet-Zugang gestellt. In der Informations- und Kommunikationsbranche hat fast die Hälfte der Mitarbeiter eine solche Ausrüstung. Diese Gruppe ist mithin sofort startklar für das Arbeiten nach dem Anywhere-Prinzip – und tut es wohl auch schon.