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20.01.2017
Arme Eltern, schlechte Schüler

Bildungsmängel: Arme Eltern, schlechte Schüler

In Deutschland lebte 2013 ein Fünftel der Schüler in armen oder von Armut bedrohten Verhältnissen. Finanzielle Armut und Bildungsarmut gehen oftmals Hand in Hand. Spätestens seit der ersten PISA-Studie kann nicht bezweifelt werden, dass die Schulleistung deutscher Kinder und Jugendlicher besonders eng an die soziale Herkunft gekoppelt ist.

Arme Schüler brechen die Schule öfter ab

Im Jahr 2014 verließen annähernd sechs Prozent der Schüler eine allgemeinbildende Schule ohne Abschluss. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt, dass in den meisten Regionen, in denen vergleichsweise viele Kinder und Jugendliche in finanziell schwierigen Verhältnissen leben, auch mehr Schüler die Schule abbrechen. Ein Grund: Es fällt es vielen armen Eltern schwer, ihre Kinder beim Lernen und bei den Hausaufgaben optimal zu unterstützen. Dies wiederum kann bei den Sprösslingen zu schlechten Leistungen und – schlimmstenfalls – zum Schulabbruch führen. Positiv ist nur, dass es vielen dieser jungen Menschen gelingt, im beruflichen Übergangssystem – etwa im Rahmen des Berufsvorbereitungsjahres – einen Schulabschluss nachzuholen.

Weniger Schulabbrecher im Süden Deutschlands als im Norden

Im Süden Deutschlands, wo besonders wenige Kinder in einkommensschwachen Familien leben, sind auch Schulabbrüche besonders selten. In Bayern beispielsweise, wo nur knapp 13 Prozent der Kinder und Jugendlichen armutsgefährdet sind, beträgt die Quote der Schulabbrecher lediglich etwas mehr als vier Prozent. Dagegen sind beide Quoten in den neuen Bundesländern besonders hoch. So verlassen in Sachsen-Anhalt zehn Prozent der Jugendlichen die allgemeinbildende Schule ohne Abschluss. Aus dem Raster fallen Nordrhein-Westfalen und Hamburg: Obwohl hier überdurchschnittlich viele Minderjährige von Armut bedroht sind, verlassen nicht mehr Schüler die Schule ohne Abschluss als im Bundesdurchschnitt. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass diese Länder besonders erfolgreich darin sind, Bildungsarmut nachhaltig zu vermeiden.

Das Niveau des Hauptschulabschlusses darf nicht gesenkt werden

Vielen jungen Menschen fehlen trotz eines erlangten Hauptschulabschlusses die notwendigen Basics – etwa in Deutsch und Mathematik –, um eine Ausbildung oder eine weitere schulische Laufbahn zu absolvieren. Statt das Niveau für einen Hauptschulabschluss weiter zu senken, um die Zahl der Schulabbrecher zu reduzieren, sollten die Länder vielmehr darauf hinwirken, dass ein Hauptschulabschluss auch tatsächlich die Ausbildungsreife eines Absolventen dokumentiert. Um Bildungsarmut zu bekämpfen, sollte die Politik für Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten ein Lernumfeld schaffen, das es ihnen leichter macht, erfolgreich in der Schule zu sein.

In frühkindliche Bildung und Ganztagsschulen investieren

Um Bildungsarmut zu vermeiden, ist eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung, also eine ausreichende Zahl an Kindertagesstätten, von zentraler Bedeutung. Da die individuelle Förderung umso besser funktioniert, je kleiner die Gruppe ist, ist der Betreuungsschlüssel – neben der Qualifikation der Erzieher – ein entscheidendes Qualitätsmerkmal. Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt, dass maximal drei Krippenkinder beziehungsweise sieben Kindergartenkinder von einer Bezugsperson betreut werden. Tatsächlich lag der Betreuungsschlüssel in Deutschland 2015 bei 1 zu 4,3 für Krippenkinder und bei 1 zu 8,7 für die Drei- bis Siebenjährigen. Notwendig sind überdies gezielte Unterstützungsangebote für Kinder mit Förderbedarf – etwa Sprachförderung für jene, die Probleme mit der deutschen Sprache haben.

Und: Deutschland ist von einer ausreichenden Versorgung mit Ganztagsschulen noch weit entfernt. So gibt es derzeit nur für ein Drittel der Grundschüler Ganztagsangebote. Dabei ist für Kinder aus benachteiligten Familien insbesondere eine qualifizierte Hausaufgabenbetreuung wichtig. Denn rund ein Drittel der 17-Jährigen, die maximal einen Hauptschulabschluss haben beziehungsweise anstreben, erhalten von den Eltern keine Unterstützung beim Lernen oder bei den Hausaufgaben.