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27.08.2014
Ausbildung: Erfolgreiche Inklusion

Betriebe, die Lehrlinge mit einer Behinderung ausbilden, machen überwiegend positive Erfahrungen. Dennoch finden längst nicht alle Jugendlichen mit Handicap einen regulären Ausbildungsplatz.

Von den rund 50.000 Jugendlichen mit einer Behinderung, die jährlich allgemeinbildende Schulen absolvieren, schaffen nicht alle direkt den Sprung in eine betriebliche Ausbildung oder ein Studium. Knapp 16.500 absolvieren erst einmal eine berufsvorbereitende Maßnahme wie das Berufsvorbereitungsjahr und weitere 10.000 machen eine außerbetriebliche Ausbildung in sogenannten Fachpraktikerberufen: Hier wird weniger Gewicht auf theoretische denn auf praktischen Ausbildungsinhalte gelegt, weswegen diese Berufswege besonders für Menschen mit Lernschwierigkeiten geeignet sind.

Und diese Wege können auch in eine betriebliche Ausbildung münden: Immerhin hat fast ein Viertel aller ausbildenden Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren Menschen mit Behinderung ausgebildet – von den großen Firmen mit mindestens 500 Beschäftigten waren es sogar mehr als 85 Prozent.

Zudem gibt nicht einmal jedes zehnte der Unternehmen, das Jugendlichen mit Behinderung einen Ausbildungsplatz gibt, an, mit deren Ausbildung negative Erfahrungen zu machen. Im Gegenteil bewerten 47,1 Prozent dieser Betriebe ihre Entscheidung für Jugendliche mit Behinderung und den Ausbildungsverlauf als überwiegend positiv und würden nach dieser Erfahrung anderen Betrieben empfehlen, derartige Ausbildungsangebote für Jugendliche mit Behinderung „einfach zu machen“ bzw. auszuprobieren.

Dabei stellen sich die Betriebe für ihre Auszubildenden auf ganz unterschiedliche Handicaps ein: Fast jedes zweite Unternehmen, das in den vergangenen fünf Jahren Jugendliche mit Behinderung ausgebildet hat, nahm Jugendliche mit einer Lernbehinderung unter Vertrag. Daneben bildeten knapp 30 Prozent der Betriebe Jugendliche mit einer seelischen Behinderung, zum Beispiel einer Depression, aus, und rund ein Viertel zeigte sich für Jugendliche mit einer organischen Behinderung, zum Beispiel Diabetes, offen.


Vielfältige Motivationen

Die Gründe, warum Unternehmen Jugendliche mit Behinderung als Auszubildende einstellen, sind vielfältig und keineswegs lediglich karitativ. Zwar engagieren sich fast 90 Prozent der Firmen auch aufgrund ihrer sozialen Verantwortung; und für fast genauso viele steht fest, dass für sie alle Jugendlichen gleichermaßen als Auszubildende infrage kommen. Aber auch leistungsorientierte Gründe spielen eine wichtige Rolle: Fast zwei Drittel der ausbildenden Unternehmen geben an, dass Menschen mit Behinderungen eine besonders hohe Arbeitsmotivation haben.

Bedenken tragen eher Firmen, die in den vergangenen fünf Jahren keine Menschen mit Behinderung ausgebildet haben. Von diesen glauben fast zwei Drittel, dass die Anforderungen des Berufes für Behinderte zu hoch seien; jeweils ein Drittel hat Bedenken wegen schwieriger Prüfungen oder der Berufsschule.

Diese Bedenken mögen im Einzelfall gerechtfertigt sein, doch fast in jedem Fall findet sich auch eine Lösung: Dem unterschiedlichen Lerntempo dieser Jugendlichen kann man zum Beispiel dadurch gerecht werden, dass die Ausbildung flexibilisiert und in Module aufgeteilt wird. So lässt sich eine zweijährige Ausbildung auf drei Jahre strecken, um mehr Zeit für individuelle Nachhilfe zu haben.

Rund zwei Drittel der Unternehmen (65,6 Prozent), die Jugendliche mit Behinderung ausbilden, befürworten entsprechend, dass der zeitliche Verlauf der Berufsausbildung die individuelle Situation des Auszubildenden stärker berücksichtigen sollte, und mehr als die Hälfte befürwortet eine Aufteilung der Ausbildung in Einzelbausteine. Die Ausbildungsinhalte selbst könnten sich je nach Bundesland und Ausbildungsberuf in einzelne Abschnitte zusammenfassen lassen, die jeweils mit einem eigenen Zertifikat abgeschlossen werden können.