News

29.05.2015
Berufliche Bildung

Eine lohnende Investition

Ein Auszubildender kostet einen Betrieb je nach Berufsgruppe bis zu 9.000 Euro netto im Jahr. Das Geld ist jedoch sinnvoll angelegt, schließlich profitieren die Unternehmen von gut ausgebildeten Fachkräften – und müssen sie nicht teuer auf dem externen Arbeitsmarkt suchen.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat sich in seiner jüngsten Kosten-Nutzen-Erhebung damit beschäftigt, wie viel Geld die Unternehmen in Deutschland für die Ausbildung junger Menschen ausgeben. Die Ergebnisse für das Ausbildungsjahr 2012/2013: Die Bruttokosten für einen Auszubildenden liegen bei durchschnittlich 17.900 Euro pro Jahr. Etwas mehr als 60 Prozent davon entfallen auf die Personalkosten. Ein weiteres Viertel sind Personalkosten der Ausbilder. Der Rest entfällt auf Anlage- und Sachkosten wie Lehrwerkstätten und sonstige Kosten - wie beispielsweise für Schutzkleidung, Kammergebühren und Ähnliches.

Kosten pro Azubi um 500 Euro gestiegen

Die Nettokosten ergeben sich, wenn man von den Bruttokosten jene Erträge abzieht, die von den Auszubildenden erwirtschaftet werden. Im Durchschnitt sind das rund 12.500 Euro im Jahr. Das heißt: Unter dem Strich kostet ein Auszubildender die Unternehmen knapp 5.400 Euro pro Jahr – bei einer dreijährigen Ausbildung sind das also 16.200 Euro. Im Vergleich zur letzten Kosten-Nutzen-Erhebung aus dem Jahr 2007 haben sich die Nettokosten inflationsbereinigt um annähernd 500 Euro erhöht. Der Grund dafür liegt im Anstieg der Bruttokosten, während die Erträge nahezu konstant geblieben sind.

Azubis tragen zu Unternehmens-Erträgen bei

Diese Zahlen zeigen zweierlei: Zum einen, dass viele Auszubildende schon während ihrer Ausbildung einen Beitrag zur Wertschöpfung ihres Unternehmens leisten. In drei von zehn Betrieben erwirtschaften sie sogar Nettoerträge, sie bringen also mehr ein, als sie kosten – das gilt vor allem für die Landwirtschaft und das Handwerk. Zum anderen zeigt sich aber auch, dass der Anstieg der Lohnnebenkosten voll auf die Ausbildungskosten durchschlägt – laut Statistischem Bundesamt ist dieser Kostenblock in Deutschland zwischen 2007 und 2012 um fast 13 Prozent gestiegen.

In der Diskussion um den vermeintlichen Rückgang der Quote der Ausbildungsbetriebe muss das – neben den Themen Demografie und Run auf die Hochschulen – berücksichtigt werden. Schließlich ist die wichtige Investition in die Ausbildung gerade für kleine Firmen oft eine große finanzielle Herausforderung, die nicht durch zusätzliche Kosten erschwert werden darf.

Azubi-Kosten zwischen 3.500 und 8.900 Euro

Die Ergebnisse der BIBB-Untersuchung zeigen aber auch, dass sich die Nettokosten der Ausbildung stark unterscheiden – je nach Betriebsgröße und Berufsgruppe um mehrere Tausend Euro pro Kopf und Jahr. Auffällig: Größere Unternehmen haben höhere Nettokosten als kleinere Betriebe. Dies ist darauf zurückzuführen, dass es in größeren Unternehmen mehr besser bezahlte technische Ausbildungsberufe gibt als in kleineren Betrieben. Zudem gewähren größere Unternehmen ihren Auszubildenden häufig auch mehr freiwillige Sozialleistungen.

Dass insbesondere technische Berufe mit hohen Nettokosten von durchschnittlich rund 8.900 Euro pro Kopf und Jahr verbunden sind, hat neben der vergleichsweise höheren Vergütung einen weiteren Grund: In diesen Berufen sind oft längere Einweisungszeiten an teuren Maschinen nötig, bis die Auszubildenden produktiv arbeiten können. In den gewerblichen und den kaufmännischen Berufen fällt die Differenz zwischen Kosten und Erträgen mit 3.500 bis 4.300 Euro deutlich geringer aus.

Externe Suche nach Fachkräften ist kostenintensiver

Doch trotz der teilweise hohen Kosten rechnet sich die Ausbildung junger Leute für die Unternehmen aus mehreren Gründen. Zum einen können sie ihren Nachwuchs ganz gezielt auf den Einsatz im eigenen Unternehmen vorbereiten – schon während der Ausbildung lernen sie die nötigen betriebsspezifischen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Die Unternehmen können sich dazu ein umfassendes Bild von ihren zukünftigen Fachkräften machen.

Auch wenn Unternehmen ihre Auszubildenden nach deren Abschluss weiterbeschäftigen, schont das den Geldbeutel. Denn die Besetzung einer Stelle mit einer externen Fachkraft kostet die Unternehmen durchschnittlich rund 8.700 Euro – gerechnet vom Bewerbungsverfahren bis zur Einarbeitung.

Ausbildung aus Tradition und gesellschaftlicher Verantwortung

Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat die Unternehmen schließlich auch gefragt, warum sie überhaupt ausbilden. Für gut 80 Prozent ist die Qualifizierung von Fachkräften, die langfristig im Betrieb eingesetzt werden können, ein (sehr) wichtiger Grund für ihr Engagement. Doch auch moralische Gründe sind den Firmen wichtig: Für gut vier von zehn Unternehmen gehört die Ausbildung zur Tradition, und sogar knapp zwei Drittel sehen gesellschaftliche Beweggründe als (sehr) wichtiges Motiv für ihr Ausbildungsengagement.