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17.07.2014
Chemische Industrie: Industrieller Kern für Deutschland

Mit 147 Milliarden Euro Jahresumsatz stellt die Chemieindustrie eines der Schwergewichte im Verarbeitenden Gewerbe. Mehr als 300.000 Beschäftigte fanden und finden dort gut bezahlte, zukunftsfeste Arbeitsplätze – wenn die Politik die Qualität der Standortbedingungen im Blick behält. Die Top-Chemiestandorte in Deutschland sind Nordrhein-Westfalen, Bayern und Rheinland-Pfalz.

Das Jahr 2013 allerdings verlief für die Chemische Industrie eher durchwachsen: Ein Umsatzzuwachs von gerade einmal 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr ließ die Branche nur knapp an der Stagnation vorbeischrammen. Erfreulich: Die Beschäftigung in den 1.600 Betrieben konnte trotz dieser Rahmenbedingungen nicht nur gehalten, sondern sogar um ein Prozent gesteigert werden. Stabilität brachte den Chemikern vor allem der Inlandsmarkt, der um annähernd drei Prozent zulegte, während es im Ausland mit einem Mini-Zuwachs von nur 0,7 Prozent wenig erfreulich aussah – die größeren Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten meldeten sogar einen leichten Absatzrückgang. Immerhin: Die Ausfuhren in die Länder der Eurozone legten doch noch wesentlich stärker zu als die Exporte in den Rest der Welt. Im ersten Quartal 2014 gab es wieder stärkeren Rückenwind für die Chemieindustrie: Das Inlandsgeschäft legte gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum immerhin um 3,4 Prozent zu, und auch der Auslandsabsatz findet allmählich aus dem Tal.

Die Chemie zählt zusammen mit Automobil- und Maschinenbau zu den traditionell starken deutschen Industriezweigen, die regional fest verankert sind. Viele Unternehmen der Branche schließen sich zu sogenannten Clustern zusammen. Die Vorteile: Ressourcen können gemeinsam genutzt werden, es bestehen enge Input-Output-Beziehungen in der Wertschöpfungskette, und es wird ein gemeinsamer Pool an Fachkräften ausgebildet und beschäftigt.

Diese Grundcharakteristika eines industriellen Clusters zeigen sich in der Chemieindustrie noch mehr als in andere Branchen. Grund ist, dass chemische Prozessketten und Stoffkreisläufe optimal nur dann genutzt werden können, wenn die Unternehmen auch räumlich nahe beieinander liegen. Deshalb haben sich viele deutsche Chemiebetriebe in Chemieparks angesiedelt, die jeweils ein Cluster bilden oder zumindest seinen Kern beheimaten.

In einer Fachvereinigung innerhalb des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) sind 37 solcher Industrieparks organisiert. Im Jahr 2010 beschäftigten die dort ansässigen Chemieunternehmen 235.000 Mitarbeiter, das waren 60 Prozent aller Kräfte des Wirtschaftszweigs. Weitere 100.000 Arbeitsplätze in diesen Parks bieten andere Branchen wie Anlagenbauer, Wartungs- und Logistikfirmen.

Traditionell ballt sich die deutsche Chemie an Rhein und Main: Die Standorte an den großen Wasserstraßen waren und sind für den Transport der Rohstoffe wichtig. Ganz abgesehen davon, dass Wasser für viele chemische Prozesse und zur Kühlung unabdingbar ist. Immer noch werden die großen Chemieparks in Leverkusen, Ludwigshafen oder Frankfurt-Höchst mit führenden Konzernen wie Bayer oder Hoechst in Verbindung gebracht, beheimaten tatsächlich heute aber Dutzende eigenständige Firmen, die miteinander kooperieren und die Infrastruktur gemeinsam nutzen. Angedockt an die Chemieunternehmen sind überdies viele Dienstleister, angefangen von Kanzleien bis hin zu Reisebüros.

In Ostdeutschland hat die Branche ihre Schwerpunkte im südlichen Sachsen-Anhalt und in den Nachbarregionen in Sachsen und Brandenburg, wo die Braunkohle die Basis der Chemieindustrie darstellt. Die gigantischen DDR-Chemiekombinate Bitterfeld oder Leuna sind aber längst Vergangenheit: Nach der Wende wurden Milliarden in neue, hochmoderne Anlagen investiert, die zwar nicht ganz die Größe der führenden westdeutschen Chemiecluster erreichen, aber in den drei Ost-Bundesländern immerhin 26.500 Beschäftigten einen Arbeitsplatz sichern.