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05.03.2014
Deutschland bleibt ein teurer Standort

Europas Krisenstaaten wünschen höhere Löhne für Deutschland

Deutschland möge die Krisenstaaten in Europa unterstützen, indem hierzulande die Löhne für die Arbeitskräfte überproportional steigen mögen, lauten Forderungen von Kritikern unterschiedlicher Provenienz. Denn dann – so das Argument – hätten auch die Krisenstaaten eine Chance, Güter nach Deutschland zu verkaufen. Einige Kritiker reden sogar von Lohndumping. Doch dabei haben sie vergessen, auf unsere Lohnstückkosten zu schauen. Denn die sind in Spanien oder Österreich niedriger.

Gern stellen die Kritiker folgende Milchmädchenrechnung auf: Deutschland habe Mitschuld an der Lage in den Krisenstaaten, denn hierzulande entstünden Wettbewerbsvorteile, weil in den vergangenen Jahren Lohnzurückhaltung geübt und dadurch einseitig auf den Export gesetzt worden sei. Die niedrigen Löhne wiederum hätten eine schwache Binnennachfrage zur Folge, und dadurch wiederum könnten andere Länder nicht genug Güter nach Deutschland verkaufen. Die krisengeschüttelten Länder könnten sich wirtschaftlich nicht erholen. Also fordern die Kritiker: Setzt Eure Löhne hoch, damit es den Krisenländern besser geht.

Außenhandel bremst Wirtschaftswachstum

Dabei verkennen sie, dass der Außenhandel das deutsche Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr sogar gebremst hat und dies voraussichtlich auch 2014 tun wird. Zudem ist Deutschlands Handelsbilanzüberschuss gegenüber den anderen Euroländern zuletzt deutlich geschrumpft.

Lohnstückkosten bei Deutschlands Konkurrenz niedriger

Die Konjunktur in den Krisenländern kann Deutschland allerdings auch nicht mit stark steigenden Löhnen ankurbeln. Zu diesem Schluss kommt der Sachverständigenrat für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Zwar ist die Produktivität in Deutschland so hoch wie sonst nirgends, aber hoch sind auch die Lohnstückkosten in Deutschland. Die Industrie im Ausland produziert zu Löhnen und Lohnnebenkosten, die um 19 Prozent unter dem deutschen Niveau liegen. So sind die Lohnstückkosten der Industrieunternehmen im Ausland bei den 25 bedeutendsten Konkurrenzländern im Schnitt fast fünf Prozent niedriger als bei deutschen Firmen. Kleinere, gleichwohl exportstarke Industriestaaten wie die Niederlande produzieren zu deutlich geringeren Kosten.

Auch Maschinenparks verursachen Kosten

Der Blick allein auf die Lohnstückkosten reicht dabei für einen ernst zu nehmenden Vergleich nicht aus. Denn wer große Gütermengen auf sehr teuren Maschinen mit einem hohen Automatisierungsgrad herstellt, der kann zwar niedrigere Lohnstückkosten haben. Aber auf der anderen Seite muss das Unternehmen zugleich hohe Kapitalkosten für den Maschinenpark schultern.

Ein Vergleich mit den anderen Ländern offenbart kein Lohndumping der deutschen Industrie: Seit 1991 sind die Lohnstückkosten im deutschen Verarbeitenden Gewerbe um gut vier Prozent gestiegen. Im Ausland legten die Kosten je Produkteinheit auf Euro-Basis um zwei Prozent zu. Wenn man in der Zeit vor dem Euro in nationalen Währungen rechnet, stagnierten sie sogar.

Kritiker schauen nur auf die Zeit der Agenda 2010-Reformen

Die Kritik an Deutschland beruft sich dabei immer noch auf den Zeitraum zwischen 2003 und 2007, als die deutschen Lohnstückkosten tatsächlich um ein Siebtel zurückgingen. Der Grund ist bekannt: Damals reagierte die Politik auf den aufgestauten Reformdruck und setzte vor allem die Hartz-Reformen zur Liberalisierung des Arbeitsmarktes in Kraft. Mehr Jobs für die Menschen hatte zu der Zeit Vorrang vor allzu stark steigenden Löhnen. Die Reformen halfen, Deutschland durch die weltweite Krise zu lotsen. Doch nun in jüngster Zeit haben die Lohnstückkosten wieder angezogen: Unter dem Strich ist kein Kostenvorteil gegenüber dem Ausland mehr festzustellen.