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29.08.2016
Digitalisierung der Arbeitswelt

Computer und Roboter sind keine Jobkiller

Selbstfahrende Autos, Roboter als Krankenpfleger und Drohnen als Paketzusteller – die Digitalisierung der Arbeitswelt, so fürchten manche, könnte vielen Menschen die Arbeit wegnehmen. Tatsächlich aber ist die Automatisierung kein Jobkiller – und könnte die Fachkräfteengpässe in vielen Bereichen lindern.

„Die Digitalisierung gefährdet Millionen Jobs“ – Schlagzeilen wie diese prägen die öffentliche Debatte um die Potenziale der Digitalisierung und Automatisierung. Eine Untersuchung von zwei Wissenschaftlern der University of Oxford scheint dies zu bestätigen. Ihr zufolge arbeiten 47 Prozent der US-Beschäftigten in Berufen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in zehn bis 20 Jahren automatisiert werden können.

Einzelne Tätigkeiten werden automatisiert, nicht ganze Berufe

Doch eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt: Das Risiko, dass Menschen durch Maschinen ersetzt werden, ist viel geringer als bislang angenommen. Während die Oxford-Forscher auf die Berufe blicken, konzentriert sich das ZEW auf das Automatisierungspotenzial von Tätigkeiten. Denn, so nehmen die Mannheimer an, es werden weniger ganze Berufe als vielmehr einzelne Tätigkeiten automatisiert. Zudem verrichten nicht alle Personen einer Berufsgruppe stets dieselben Tätigkeiten.

Das ZEW-Ergebnis: Im Schnitt von 21 OECD-Ländern üben 9 Prozent aller Arbeitnehmer automatisierbare Tätigkeiten aus. Die einzelnen Länder unterscheiden sich allerdings deutlich. Der Anteil der Arbeitnehmer mit Tätigkeiten, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit automatisieren lassen, reicht von 6 Prozent in Südkorea bis 12 Prozent in Österreich und Deutschland. Hohe Wahrscheinlichkeit heißt übrigens: mindestens 70 Prozent. Die USA hätten demnach 9 Prozent Beschäftigte mit automatisierbaren Tätigkeiten – deutlich weniger als die 47 Prozent in der Oxford-Studie.

Neue Tätigkeiten für Mitarbeiter wegen Digitalisierung

Die ZEW-Ergebnisse zeigen, dass die Digitalisierung keine größere Gefahr für Arbeitnehmer darstellt. Zum einen ist es ein langwieriger Prozess, bis neue Technologien angewendet werden. Zum anderen kommt es manchmal auch ganz anders als erwartet: Statt ihren Job zu verlieren, haben Mitarbeiter oft die Chance, durch digitale Hilfestellungen neue Tätigkeiten wahrzunehmen. Oder es entstehen sogar neue Geschäftsfelder und Berufe.

Das IW Köln kommt darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass die Digitalisierung dazu beitragen kann, Fachkräfteengpässe abzumildern: Wird das Potenzial der Digitalisierung vollständig genutzt, können die Unternehmen fast die Hälfte ihrer wegen Fachkräftemangel nicht besetzten Stellen abbauen – und das bei gleichbleibender Beschäftigung.