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13.06.2015
Emissionshandel

Klima-Zertifikate von der Tankstelle

Die EU will dafür sorgen, dass Kraftfahrzeuge weniger CO2 ausstoßen. Bislang setzt Brüssel auf schärfere CO2-Grenzwerte für Pkws und leichte Nutzfahrzeuge. Dieser Ansatz weist aber einige Schwächen auf und sollte allenfalls langfristig weiterverfolgt werden. Die Einbeziehung des Straßenverkehrs in den Emissionshandel könnte dagegen kurzfristig eine sinnvolle Ergänzung sein. Dabei könnte bald die Tankstelle eine Rolle spielen - genauso wie bei den Sonntagsbrötchen.

Die Europäische Union hat sich ein Ziel gesetzt: Sie strebt an, dass die Kohlendioxidemissionen des Straßenverkehrs im Jahr 2050 rund 60 Prozent niedriger sind als im Jahr 1990. Für den Zeitraum 2005 bis 2020 wird ein Minus von 10 Prozent angepeilt, bis 2030 sollen es 30 Prozent weniger sein. Daran gemessen befindet sich der Straßenverkehr durchaus auf Kurs.

EU hat schärfste Emissionswerte der Welt

Dass in der EU Personen- und Lastkraftwagen heutzutage klimafreundlicher unterwegs sind als früher, hat mehrere Gründe: Zum einen ist der Lkw-Verkehr aufgrund der wirtschaftlichen Schwäche in Teilen der EU zurückgegangen. Aber auch hohe Kraftstoffpreise und die Einführung von CO2-Emissionsgrenzwerten für Fahrzeuge haben ihre Spuren hinterlassen, da sie den Trend zu verbrauchsärmeren Pkws befeuern. Die Grenzwerte sind zudem gerade deutlich verschärft worden: Die Hersteller, die Fahrzeuge in der EU verkaufen, sind verpflichtet, die Emissionen der Neuwagenflotten bis zum Jahr 2021 von 130 Gramm CO2 pro Kilometer auf 95 Gramm zu senken. Das sind die schärfsten Grenzwerte der Welt. Schon heute ist die Vermeidung von Kohlendioxidemissionen im Straßenverkehr vergleichsweise teuer. Pro Tonne CO2, die durch effizientere Fahrzeugtechnik vermieden wird, fallen derzeit Kosten von bis zu 250 Euro an. Wenn weiter technisch aufgerüstet wird, ist im Jahr 2021 mit Kosten von 400 Euro pro Tonne zu rechnen.

CO2 einsparen bei Heizungen weniger kostenintensiv

Volkswirtschaftlich gesehen wäre es günstiger, in anderen Wirtschaftszweigen CO2 einzusparen. Wenn etwa eine alte Heizung durch eine neue ersetzt wird, können die Umstellungskosten pro Tonne Kohlendioxid nur 15 Euro betragen. Mit weniger Geld kann also mehr erreicht werden. Und dem Klima ist es letztlich egal, wo Kohlendioxid eingespart wird.

Der derzeitige Regulierungsansatz, über Grenzwerte den CO2-Ausstoß zu mindern, ist aber nicht nur finanziell ausgereizt, er hat auch einige systemische Schwächen: z. B. Praxisferne. Die Emissionen werden in einem normierten Test gemessen. Egal wie der Test gestaltet wird, er kann die Realität nur begrenzt abbilden. Es wird mithin nur ein Potenzial gemessen. Außerdem werden die Emissionen nicht zuletzt durch den individuellen Fahrstil und die gefahrenen Kilometer bestimmt.

Kosten für Zertifikate auf den Spritpreis draufschlagen

Schwere Lkws bleiben außen vor. Lastwagen verursachen etwa 40 Prozent der Emissionen im Straßenverkehr. Bislang ist es aber nicht gelungen, sinnvolle Grenzwerte für schwere Lkws zu formulieren. Ein Weg, dies zu ändern, wäre die Einbeziehung der Kraftstoffproduzenten in den europäischen Emissionshandel. Die Kosten für Zertifikate könnten an der Tankstelle auf den Spritpreis aufgeschlagen werden. Aus Sicht der Autofahrer wären diese Kosten überschaubar: Bei einem zukünftigen Zertifikatspreis von etwa 30 Euro würde ein Liter Benzin um circa 7 Cent teurer. Auch die Einbeziehung von Lastkraftwagen wäre so kein Problem.

Oberstes Ziel: Preiswertere umweltfreundlichere Technik

Trotz dieser Vorteile kann der Emissionshandel aber nur eine Ergänzung zur bestehenden Regulierung sein. Langfristig schärfere Grenzwerte sind, wenn neue, preiswertere Technologien als heute zur Verfügung stehen, durchaus akzeptabel, um die Lasten auf die einzelnen Wirtschaftszweige zu verteilen.

Weil der Verkehr nach der Energiewirtschaft der zweitgrößte Emittent von Kohlendioxid ist, könnte es nämlich sein, dass dieser den Markt für Zertifikate durch Zukäufe unter Druck setzt und die Preise enorm steigen. Dann müssten andere Sektoren für ihre Zertifikate mehr zahlen, oder sie bekommen im Extremfall nicht mehr genug Berechtigungsscheine. Am Ende könnte das die Abwanderung von in Europa dringend benötigter industrieller Produktion zur Folge haben.