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06.08.2013
Energieeffizienz

Deutsche Industrie in der Weltspitze

Im Vergleich zu den meisten internationalen Konkurrenten kommt die deutsche Industrie mit relativ wenig Energie aus. Das liegt zum einen an den Fortschritten in der Energieeffizienz, ist zum anderen aber auch Folge einer veränderten Industriestruktur, macht eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) deutlich.

Was den Energieverbrauch angeht, gibt es in Deutschland zwischen den einzelnen Sektoren kein großes Gerangel: 16 Prozent entfallen auf das Gewerbe, den großen Rest teilen sich der Verkehr, die privaten Haushalte und die Industrie zu je 28 Prozent. Und auch darüber besteht Einigkeit: Weil Energie knapp ist und der Energieverbrauch häufig zur Klimaschädigung beiträgt, ist es opportun, Energie sparsam einzusetzen. Die deutsche Industrie ist hier bereits auf gutem Wege.

Deutschland belegt mit 93 Kilogramm Öleinheiten je 1.000 Euro industrieller Wertschöpfung den vierten Platz im Effizienzranking. Mit noch weniger kommen nur Großbritannien, Dänemark und die Schweiz aus – für die Eidgenossen reichen knapp 50 Kilogramm. Erhebliche Ausreißer sind eher in anderer Richtung zu finden: Die US-Industrie zum Beispiel verbraucht relativ gesehen mehr als doppelt so viel Energie wie die deutsche, Kanada sogar annähernd dreimal so viel.

Diese Diskrepanzen sind jedoch nicht nur unterschiedlich intensivem Engagement bei der Effizienzverbesserung geschuldet, sondern hängen auch davon ab, wie viel Gewicht die energieintensiven Branchen in den jeweiligen Ländern haben und wie es um die Auslastung und das Alter der Maschinen und Anlagen steht. Um den Einfluss solcher Parameter auf die Entwicklung des Energieverbrauchs besser abschätzen zu können, wird der Verbrauch nicht nur in Relation zur Wertschöpfung gesetzt, sondern etwa auch das Aktivitätsniveau gemessen, das sich innerhalb einer Branche auf den Energieverbrauch auswirkt. Auch der Zusammenhang zwischen Energieverbrauch und Strukturwandel fließt in die Bewertung ein. Denn wenn beispielsweise der Anteil der energieintensiven Branchen an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung wächst und der Anteil weniger energieintensiver Branchen entsprechend sinkt, geht dies mit einem Anstieg des Energieverbrauchs einher – und umgekehrt.

Trotz umwälzender Entwicklungen und diverser Konjunkturab- und -aufschwünge hat die heimische Industrie allerdings in den letzten 15 Jahren ihren Energieverbrauch kaum steigern müssen: Rechnerisch hätte die deutsche Industrie 2010 wegen gestiegener Produktionsmengen eigentlich 20 Prozent mehr Energie benötigt als 1995, tatsächlich kam sie aufgrund von Effizienzsteigerungen und veränderter Branchenstrukturen mit einem Energieplus von zwei Prozent aus.

Zu diesem Ergebnis beigetragen hat in erster Linie die veränderte Struktur der Industriebranchen - doch auch Effizienzverbesserungen haben den Energiebedarf der Unternehmen in Grenzen gehalten. Allerdings sind die Möglichkeiten, hier weitere große Fortschritte zu erzielen, mehr oder minder ausgereizt: Zwar ist die Steigerung der Energieeffizienz ein politisch gesetztes Ziel und auch die Betriebe selbst haben ein wirtschaftliches Interesse daran, mit Ressourcen sparsam umzugehen. Doch die meisten günstigen und simplen Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz sind von der deutschen Industrie bereits umgesetzt worden.

Investitionen in die Energieeffizienz sind also mittlerweile vergleichsweise teuer. Zudem konkurrieren sie mit anderen Investitionsvorhaben, die womöglich rentabler sind. Wenn die Politik dazu beitragen möchte, dass die heimische Industrie weitere Effizienzsteigerungen erzielt, darf sie daher die Investitionsbedingungen für energieintensive Branchen keinsefalls weiter verschlechtern.