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16.12.2014
Energieintensive Industriezweige legen Investitionen auf Eis

Industriezweige mit einem hohen Energieeinsatz wie die Chemiebranche ersetzen ihre abgeschriebenen Maschinen und Anlagen schon seit Jahren nicht mehr eins zu eins. Die Ursachen für diese Desinvestitionen sind zum Teil auf politische Fehlentscheidungen zurückzuführen.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Industriestandort Deutschland enorm gewandelt. Während die Konkurrenten in den Schwellenländern zunächst großen Teilen der deutschen Textilindustrie den Garaus gemacht haben, setzten andere Länder wie die USA mit ihrer deutlich billigeren Tagebauförderung den deutschen Kohleminen zu. Nun droht weiteren Branchen Gefahr. Sie kommt diesmal vor allem aus den Vereinigten Staaten, ist aber zugleich hausgemacht. Denn der Fracking-Boom in Nordamerika hat dort die Preise für Öl und Gas enorm sinken lassen. Die Gasrechnung der Unternehmen in den USA beträgt nur etwa ein Drittel des deutschen Niveaus.

Strom in Deutschland doppelt so teuer wie in den USA

Die Energiewende in Deutschland hat den Kostengraben zusätzlich vertieft – Strom ist hier doppelt so teuer wie in den USA. Beide Entwicklungen machen die Staaten für deutsche Chemieunternehmen immer interessanter. Denn Gas, Öl und Strom sind die Lebensadern der Branche:

Energiespar-Potenziale sind begrenzt

Die Chemie ist der größte energieintensive Industriezweig Deutschlands. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verbrauchte sie 2013 rund 30 Prozent aller von der Industrie benötigten Energieträger. Allein 44 Prozent davon werden als Rohstoff für chemische Produkte genutzt – die Einsparpotenziale sind also begrenzt.

Stromverbrauch

Ein knappes Fünftel des industriellen Strombedarfs entfällt auf die Chemische Industrie. Wenn Strom nur um einen Cent je Kilowattstunde teurer wird, steigt die industrielle Stromrechnung um zwei Milliarden Euro. Die Chemieindustrie ist daran mit rund 360 Millionen Euro beteiligt.

Allein in der Chemie sieben Milliarden Euro Investitionsstau

Wegen der hohen Energiepreise in Deutschland zögern die energieintensiven Industriezweige zunehmend, in ihre heimischen Standorte zu investieren. Zwar haben die Papier-, Chemie-, Glas- und Metallindustrie zusammengenommen seit 2000 jedes Jahr durchschnittlich 15 Milliarden Euro investiert. Das aber reicht nicht, um alte Maschinen und Anlagen zu ersetzen. In der Chemieindustrie machten die Investitionen zuletzt nur noch rund 92 Prozent der Abschreibungen aus – der Kapitalstock schrumpft also. Im Jahr 2000 dagegen wurden noch rund 100 Prozent der Investitionen auf eine Erweiterung des Kapitalstocks verwandt. Wie groß der Investitionsstau inzwischen ist, zeigt diese Rechnung: Um den Kapitalbestand des Jahres 2000 aufrechtzuerhalten, wären bis 2012 allein in der Chemischen Industrie etwa sieben Milliarden Euro mehr an Investitionen notwendig gewesen – in allen energiehungrigen Branchen beläuft sich das Investitionsdefizit auf rund 23 Milliarden Euro.