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06.08.2013
Energiewende

Viel bleibt noch zu tun

Für die Energiewende existiert kein Masterplan, aber es gibt eine Reihe von Zielen, mit denen eine wirtschaftliche, sichere und umweltverträgliche Stromversorgung erreicht werden soll. Das Energiewende-Radar des IW Köln misst die Fortschritte.

In der Öffentlichkeit wird zwar erst seit dem Atomausstieg von der „Energiewende“ gesprochen – Deutschland hat den Weg zu einer umweltverträglicheren Stromversorgung aber bereits mit der massiven Förderung erneuerbarer Energien im Jahr 2000 beschritten. Das Energiewende-Radar des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) beobachtet deshalb, wie sich acht verschiedene Indikatoren seither entwickeln, und misst, inwiefern die bis zum Jahr 2020 angestrebten Ziele erreicht werden können. Das Zwischenfazit für 2010/2011 zeigt allerdings durchwachsene Ergebnisse.

So ist man derzeit etwa bezogen auf die Energiegewinnung noch weit von dem Ziel entfernt, bis 2020 die Emission von Treibhausgasen drastisch vermindert zu haben. Bis 2011 wurde – verglichen mit den Werten von 2000 – lediglich ein Abbau von rund 5 Prozent erreicht. Rein rechnerisch notwedig wäre eine Minderung um bereits rund 18 Prozent. Grund für das Hinterherhinken ist insbesondere der beharrlich steigende Stromverbrauch: Er ist zwischen 2000 und 2011 nicht – wie eigentlich erforderlich – um 2,5 Prozent gesunken, sondern um 5 Prozent gestiegen.

Die erneuerbaren Energien decken zwar mittlerweile etwa ein Fünftel des Bedarfs, sind aber längst nicht in der Lage, mit dem Effekt des Mehrverbrauchs Schritt zu halten. Hinzu kommt: Der Ausstieg aus der CO2-freien Kernenergie dürfte die Emissionen des deutschen Strommix zunächst weiter steigern. Das IW-Energiewende-Radar verzeichnet für das Klimaschutzziel daher aktuell lediglich 26 von 100 Punkten – der Wert, bei dem die Entwicklung im Plan läge.

Es gibt durchaus Sonnenseiten. So erreichen Politik und Energiewirtschaft derzeit bei der Versorgungssicherheit mit 92 von 100 Punkten einen sehr zufriedenstellenden Wert. Langfristig bestehen dennoch Risiken: Vor allem stellt sich die Frage, ob sich fossile Kraftwerke in einem Strommarkt refinanzieren können, der von erneuerbaren Energien dominiert wird. Derzeit sind diese Kraftwerke zum Ausgleich der schwankenden Strommengen aus erneuerbaren Energien noch unverzichtbar. Die Regeln des Strommarktes müssen daher rechtzeitig zukunftsfest gemacht werden.

Unterm Strich allerdings bleibt nach mehr als einem Jahrzehnt der Bemühungen um eine umweltverträglichere Energieversorgung zu konstatieren, dass die Energiewende zu einem erheblichen Teil bislang nur auf dem Papier vollzogen wurde. Insgesamt erreichen die acht Indikatoren im Energiewende-Radar demgemäß auch nur gut 58 von 100 Punkten. Und das heißt nicht etwa, die Energiewende sei schon zu mehr als der Hälfte geschafft. Vielmehr muss deutlich aufgeholt werden, um überhaupt wieder auf Kurs zu kommen.