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21.06.2014
Fachkräfteengpässe

Leere auf dem Land

Der Großteil des Wohlstandes in Deutschland wird auf dem Land erwirtschaftet. Knapp zwei Drittel aller Industriebeschäftigten arbeiten abseits der Städte. Doch die Unternehmen vor Ort sehen sich mit zwei großen Problemen konfrontiert: Sie müssen Prognosen zufolge mit einer Fachkräftelücke von mindestens zwei Millionen Personen im Jahr 2020 rechnen. Und es zieht immer mehr Menschen in die Städte, die oft eine bessere Infrastruktur bieten.

In einer Befragung von 600 Unternehmen durch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) berichtet etwa die Hälfte jener Betriebe im ländlichen Raum, die Mitarbeiter suchen, von beträchtlichen Schwierigkeiten, Fachkräfte oder Auszubildende zu finden. In städtischen Regionen betrifft dies zwar auch nicht wenige, aber immerhin nur gut ein Drittel der Firmen, die Fachkräfte suchen, und ein Viertel der Unternehmen, die freie Ausbildungsplätze haben.

Und weitere Schwierigkeiten zeichnen sich ab: Deutschland wird in den nächsten Jahrzehnten voraussichtlich aufgrund des demografischen Wandels massiv Einwohner verlieren und zugleich wird der Altersdurchschnitt stark ansteigen – beide Entwicklungen haben negative Einflüsse auf die Fachkräftesicherung. Nur attraktive und aktive Regionen werden daher in Zukunft qualifizierte Arbeitskräfte in genügendem Maße anziehen können.

Allerdings haben gerade ländliche Räume hierzulande eine wichtige stabilisierende Funktion: Sie bilden das Gegengewicht zum Bevölkerungsdruck in den Städten und garantieren dank der mittelständisch geprägten Wirtschaftsstruktur die Mehrheit der Industriearbeitsplätze und damit einen beträchtlichen Teil des Wohlstandes in Deutschland. Besonders ländliche Regionen müssen daher auf Zukunftskonzepte setzen, die ihre Attraktivität steigern und der Abwanderung entgegenwirken können.

Um die ländlichen Gebiete attraktiver zu machen, gilt es zunächst für die Politik, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Dazu zählt etwa, die Verwaltungen wirtschaftsfreundlich zu gestalten, für ein leistungsfähiges Breitbandnetz zu sorgen sowie gute und flexible Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und Pflegebedürftige zu schaffen. Und vor allem: Diese Rahmenbedingungen dürfen nicht nur vorhanden sein, sie müssen angeboten und sollten dann auch aktiv beworben werden, damit sie Interessenten auch in einem weiterem Umkreis bekannt werden – das kann alleine bereits ausschlaggebend sein für die Entscheidung, sich in einer bestimmten Region zu bewerben und niederzulassen.

Die Städte und Gemeinden im ländlichen Raum können zudem durch bürgerschaftliches Engagement, eine ausgeprägte regionale Identität und eine Willkommenskultur ihre Attraktivität für Fachkräfte steigern.

Aber auch die Unternehmen müssen ihren Teil beitragen: mit Angeboten, die sie für Fachkräfte auch außerhalb des urbanen Umfelds interessant machen. Gerade junge Leute lassen sich heute vor allem dann locken, wenn es um mehr als das reine Gehalt geht – zum Beispiel durch Sabbatjahre, flexible Arbeitszeiten oder zusätzliche Vergütungen in Form von Jobtickets, Sprach- und Fitnesskursen oder Zuschüssen zur Kinderbetreuung.