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19.06.2017
Fachkräftemangel: Baden-Württemberg am stärksten getroffen

Die Fachkräfteengpässe auf dem deutschen Arbeitsmarkt nehmen zu, sie sind aber nicht flächendeckend. Tatsächlich entscheiden die Region, die gewünschte Fachrichtung und das Qualifikationsniveau darüber, ob ein Unternehmen Schwierigkeiten hat, passende Bewerber für offene Stellen zu finden.

Der Fachkräftemangel, der lange vor allem für Berufe im mathematisch-naturwissenschaftlichen und technischen Bereich festgestellt wurde, erfasst inzwischen immer mehr Branchen. Ingenieure, Pflegekräfte und Lehrer fehlen ja schon länger, doch mittlerweile sind in einigen Regionen Deutschlands auch Fachkräfte in der öffentlichen Verwaltung, Softwareentwickler und Speditionskaufleute knapp. Garten- und Landschaftsbauer sucht so mancher Arbeitgeber derzeit ebenfalls vergeblich.

Engpässe im Süden Deutschlands

Rein rechnerisch liegt ein Fachkräfteengpass vor, wenn das Verhältnis von Arbeitslosen zu gemeldeten Stellen weniger als zwei zu eins beträgt. Klingt zunächst unlogisch, ist aber der Tatsache geschuldet, dass die Unternehmen der Bundesagentur für Arbeit nur etwa jede zweite vakante Stelle melden. Nun sagt allerdings diese sogenannte „Engpassrelation“ für einzelne Berufe noch nichts darüber aus, wie groß die Besetzungsprobleme der Unternehmen in einer Region oder in Deutschland insgesamt sind. Darüber informiert die sogenannte „Engpassquote“: Sie gibt an, wie viele Stellen innerhalb einer Region in Engpassberufen im Verhältnis zu Nicht-Engpassberufen ausgeschrieben wurden. Blickt man auf die Quote in den einzelnen Bundesländern, dann zeigt sich, dass vor allem viele Arbeitgeber im Süden Deutschlands händeringend nach Arbeitskräften suchen.

Situation im Osten weniger angespannt

Im Jahr 2016 waren im Durchschnitt aller Monate in Baden-Württemberg über 70 Prozent der Stellen schwer zu besetzen, in Bayern wurden fast zwei Drittel aller Jobs in Engpassberufen ausgeschrieben. Ganz anders in Berlin: In der Hauptstadt betrug die durchschnittliche Engpassquote im vergangenen Jahr lediglich 35 Prozent – somit war es nur bei jeder dritten Vakanz schwierig, einen geeigneten Bewerber zu finden. Aktuell ist die Situation für Arbeitgeber im Osten etwas weniger angespannt als in Westdeutschland. Doch das wird nicht so bleiben. Bereits in den vergangenen fünf Jahren hat sich die Situation deutlich verschärft. Und innerhalb der nächsten zehn Jahre wird in Ostdeutschland fast eine halbe Million sozialversicherungspflichtig Beschäftigter das gesetzliche Rentenalter erreichen – das ist jeder fünfte Arbeitnehmer. Hinzu kommt, dass junge Leute aus ländlichen Regionen vermehrt in größere Städte ziehen. Für ostdeutsche Betriebe abseits der Ballungszentren dürfte es besonders schwierig werden, Personal zu gewinnen.

Lücke für Fachkräfte schnell gewachsen

Eine große Rolle für die künftige Engpassentwicklung spielt aber auch das Qualifikationsniveau. Obwohl immer mehr junge Leute einen Hochschulabschluss erwerben, ist der Stellenmarkt für Akademiker aus Arbeitgebersicht angespannt. Noch schneller ist allerdings die Lücke für Fachkräfte gewachsen. Hier vergrößerte sich der Engpass auf rund 60 Prozent. Betrachtet man nicht den Anteil, sondern die Zahl der Stellen, die schwer zu besetzen sind, entfielen die meisten 2016 auf Jobs für beruflich Qualifizierte. Doch auch Spezialisten wie Meister und Techniker suchen viele Unternehmen vergeblich. Insgesamt waren im Jahr 2016 deutschlandweit im Schnitt 269 Berufe von Fachkräfteengpässen betroffen. Besonders groß sind die Engpässe in technischen Berufen wie dem Elektrotechniker und in Gesundheitsberufen wie dem Hörgeräteakustiker. Doch auch in den Sicherheitsberufen fehlen Bewerber, zum Beispiel als Detektive und im Brandschutz.

Gegen Fachkräftemangel hilft überregionale Suche

Wer gegen den Fachkräftemangel vorgehen möchte, muss also je nach Region und Beruf passgenaue Lösungen suchen. So empfiehlt es sich für Unternehmen, die in ihrer näheren Umgebung keine Fachkräfte finden, Stellen auch überregional auszuschreiben. Bewerbungsgespräche mit Kandidaten, die weiter entfernt wohnen, können über Videotelefonie realisiert werden. Wird ein Bewerber tatsächlich eingestellt, bietet sich für die Arbeitsorganisation das fallweise Arbeiten von Zuhause an, um den Pendelaufwand zu reduzieren.