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16.01.2014
Forschung und Entwicklung: China auf dem Weg zur Nummer eins

Mit einer langfristigen Strategie und reichlich Investitionen ist China in die erste Liga der Forschungsnationen aufgestiegen. Ein Erfolgsfaktor ist die steuerliche Förderung. Davon will die deutsche Politik jedoch nichts wissen.

Bereits 2006 hat die chinesische Regierung die Absicht angekündigt, die Forschungsanstrengungen des Landes bis 2020 zu verdoppeln und bis 2050 zur weltweit führenden Technologienation aufsteigen zu wollen. Und China ist auf dem besten Weg, diese Ziele sogar früher als geplant zu erreichen:

Bereits 2009 hat das Land Japan überholt und sich bei den kaufkraftbereinigten Investitionen in Forschung und Entwicklung hinter die USA auf Platz zwei gesetzt. Deutschland hatten die Chinesen schon 2005 hinter sich gelassen. 2011 wurden in China mehr als doppelt so viele Mittel in FuE gesteckt wie in Deutschland – im Jahr 2000 war es noch umgekehrt. Und: Zwischen 2000 und 2011 haben die 28 EU-Länder ihre entsprechenden Investitionen um gut elf Prozent erhöht; im selben Zeitraum stiegen die chinesischen FuE-Investitionen jedoch bereits auf das Doppelte.

Beeindruckend auch der Vergleich Chinas mit dem derzeitigen FuE-Spitzenreiter USA: Zwischen 2006 und 2011 wuchsen die chinesischen Investitionen in Forschung und Entwicklung um jahresdurchschnittlich 19 Prozent, während diejenigen der USA um lediglich drei Prozent zulegten. Setzt sich diese Dynamik fort, wird China die USA bereits 2016 als führende Forschungsnation abgelöst haben.

Deutschland fördert eher zurückhaltend

Zwar hat auch Deutschland seine Forschungsanstrengungen seit der Jahrtausendwende kontinuierlich gesteigert, doch mit der chinesischen Dynamik kann die Bundesrepublik nicht mithalten. Ein Grund dafür ist, dass China ein umfangreiches System steuerlicher FuE-Förderung eingeführt hat, das aus Freibeträgen, Zulagen und erleichterten Abschreibungsmöglichkeiten besteht. Darüber hinaus wurden neu gegründete Hightech-Unternehmen jahrelang von der Steuerpflicht befreit.

Deutschland unterstützt seine innovative Wirtschaft dagegen eher zurückhaltend: Hierzulande investierte der Staat 2011 weniger als 0,1 Prozent der Wirtschaftsleistung in die Forschung und Entwicklung der Wirtschaft – in den Niederlanden, den USA oder Frankreich sind die Quoten zwei- bis viermal so hoch. Die deutschen Unternehmen allerdings haben ihre FuE-Investitionen kontinuierlich gesteigert und mit 53,8 Milliarden Euro im Jahr 2012 so viel Geld für interne Forschung und Entwicklung ausgegeben wie nie zuvor. Die Quote der FuE-Aufwendungen der Wirtschaft als Anteil am Bruttoinlandsprodukt stieg im Vergleich zum Vorjahr sogar deutlich von 1,97 Prozent auf 2,02 Prozent. Zusammen mit den von 0,94 auf 0,96 Prozent ebenfalls gestiegenen staatlichen Aufwendungen beträgt damit die gesamtstaatliche FuE-Quote hierzulande nun insgesamt 2,98 Prozent.

Anders als die meisten Länder, in denen ein Mix aus direkter Forschungsförderung über Projektmittel und steuerlicher FuE-Förderung die Forschungsleistung der Wirtschaft unterstützt, verzichtet jedoch Deutschland weitestgehend auf steuerliche Anreize. Dabei könnte das relativ unbürokratische Instrument vor allem in der mittelständisch geprägten Industrie brachliegende Potenziale aktivieren. Denn auf diese Betriebe entfallen derzeit lediglich 11 Prozent aller unternehmerischen Forschungsausgaben – niedriger ist die Quote nur noch in Japan.