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13.11.2014
Gebäude sanieren, statt nur Ökostrom produzieren

Um die Energiewende zum Erfolg zu führen, muss auch der Wohnungsbestand bis 2050 modernisiert werden. Die derzeitigen Investitionen reichen allerdings nicht aus, um dieses Ziel zu erreichen. Dazu hat das Institut der deutschen Wirtschaft ein Konzept entwickelt, damit es auf diesem Gebiet vorangeht.

Für die Energiewende reicht es nicht, sich lediglich auf den Ausbau von ökologisch produziertem Strom zu beschränken. Eine wichtige Säule hierbei ist auch die Verringerung der Energiekosten bei in die Jahre gekommene Gebäude. Die Regierung will hier den Energiebedarf von Wohnhäusern bis zum Jahr 2020 deutlich reduzieren. Aktuell wird aber jährlich nur ein Prozent des Wohnungsbestands energetisch saniert – zum Beispiel durch eine effizientere Wärmedämmung. Mit dieser Sanierungsquote kann der Bund laut dem IW seine selbst gesteckten Ziele jedoch nicht erreichen: Um zum Beispiel den Endenergiebedarf der Gebäude bis zum Jahr 2020 gegenüber 2008 um 20 Prozent zu verringern, müssten jährlich zwei Prozent des Bestands saniert werden.

 

Der „Große Sanierungs-Wurf“ fehlt noch

Unter den aktuellen Rahmenbedingungen sei das kaum machbar. Denn die vielen Einzelprojekte – von der Energieeinsparverordnung über die Förderprojekte der KfW Bankengruppe bis hin zum Energieausweis – sind historisches Flickwerk. Bislang zögern Eigentümer und Investoren vor allem wegen der unübersichtlichen Förderlandschaft und der geringen Wirtschaftlichkeit, ihre Objekte zu modernisieren. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat vor kurzem in einem Gesamtkonzept für den Gebäudesektor fünf Elemente herausgearbeitet, mit dem die Ziele der Bundesregierung erreicht werden können:

 

Eine Milliarde Euro mehr für Gebäudesanierung

1. Die bewährten Förderprogramme zur Gebäudesanierung der KfW und des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle sollten mindestens bis zum Jahr 2020 ein jährliches Volumen von drei Milliarden Euro aufweisen – 2013 förderte der Bund energetische Gebäudesanierungen lediglich mit knapp zwei Milliarden Euro.

 

Dauerhaft steuerlich begünstigen

2. Die Sanierung von Gebäuden sollte dauerhaft steuerlich begünstigt werden, wobei alle Gebäudeeigentümer gleich behandelt werden müssen. Derzeit bevorzugt das Steuerrecht insbesondere Selbstnutzer von Immobilien.

 

Ökologischer Mietspiegel

3. Eine Reform des Mieterhöhungsrechts sollte auf der Agenda stehen. Vermieter sollten den Sanierungsaufwand in die Modernisierungsumlage integrieren dürfen, weil die Mieter zugleich weniger Heizkosten zahlen. Alternativ könnte bei energetischen Modernisierungen eine generelle Anhebung der Miete bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete zugelassen werden. Zur besseren Orientierung der Eigentümer sollten die Kommunen flächendeckend ökologische Mietspiegel einführen.

 

Werden Ziele auch erreicht?

4. Für die staatlich geförderte Energieberatung sollte ein Ausbildungs- und Dienstleistungsstandard etabliert werden, der keine Berufsgruppen wie etwa Handwerker, die die Modernisierungen erledigen, systematisch ausgrenzt. Nach der Umsetzung geförderter Effizienzprogramme sollte stärker kontrolliert werden, ob die damit verbundenen Ziele auch erreicht wurden.

 

Energieausweise verbrauchsorientierter gestalten

5. Für mehr Transparenz sollten die bedarfs- und verbrauchsorientierten Energieausweise zu einem Ausweis zusammengeführt werden.

Das Konzept des IW hält es für wichtig, in der Öffentlichkeit eine Diskussion zu führen über die „wahren“ Energiekosten. Darin müssen dann alle gesellschaftlich relevanten Kosten inklusive der Umweltbeeinträchtigungen enthalten sein. Dieser Dialog sei zur Bewusstseinsbildung unabdingbar, jedoch durch die in den letzten Jahren stark gestiegenen Preise in den Hintergrund geraten. Die Autoren des IW-Konzepts sind sich sicher: Wären die Energiekosten höher, dann hätten alle Eigentümer und Mieter starke Anreize, möglichst wenig Energie zu verbrauchen, Investitionen in die Energieeffizienz zu tätigen und bei Wohnungswechseln auf den Energieverbrauch zu achten. Eine Gesamtstrategie für den Gebäudesektor sollte laut dem Konzept aber immer in eine in sich stimmige Klimapolitik eingebettet sein, die über die Sektoren hinweg langfristige und technologieoffene Anreize für die Verringerung von Treibhausgasen schafft.