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13.12.2013
Generation 55plus

Generation 55plus: EU-Kommission will mehr Berufstätige über 60

 

In der EU ist inzwischen fast wieder jeder zweite 55- bis 64-Jährige erwerbstätig – das war nicht immer so. Sollten die EU-Mitglieder die Wachstumsstrategie der Kommission umsetzen, müssten sich viele von ihnen von ihren großzügigen Vorruhestandsregelungen verabschieden. Einige Länder haben bereits Änderungen ihrer Gesetze angeschoben, genauso wie sich die Tarifparteien auf entsprechende Initiativen einigen konnten.

 

Arbeitnehmer in der EU im Jahr 2010 bereits mit 61 in Rente

75 Prozent der Bevölkerung sind berufstätig und helfen, Wachstum und Wohlstand zu sichern – so lautet eines der Ziele, die sich die Europäische Kommission in der Wachstumsstrategie „Europa 2020“ gesetzt hat. Diese Quote ist allerdings nur zu erreichen, wenn ältere Beschäftigte sich nicht schon frühzeitig aus dem Arbeitsleben verabschieden.

Im Durchschnitt gingen europäische Arbeitnehmer im Jahr 2010 mit 61,5 Jahren in Rente – und somit häufig vor dem Erreichen des gesetzlichen Rentenalters.

 

Allerdings tut sich etwas auf diesem Gebiet: Nach einer Studie der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) arbeitet heute fast überall in der EU ein größerer Anteil der 55- bis 64-Jährigen als noch im Jahr 2000. Vor allem in Deutschland hat sich die Situation grundlegend gewandelt.

 

Ein Grund für die Fortschritte ist, dass in vielen Ländern der Gesetzgeber aktiv geworden ist. In Deutschland, Bulgarien, Tschechien und Rumänien zum Beispiel ist das gesetzliche Renteneintrittsalter erhöht worden.

 

Frankreich verlangt Haustarifverträge für Ältere

Aber auch Gewerkschaften und Arbeitgeber tun einiges, damit ältere Beschäftigte länger in den Betrieben bleiben. Entsprechende Tarifverträge sind in Deutschland, Frankreich und Belgien abgeschlossen worden. Altersgerechte Tarifverträge helfen beim Übergang zur Rente. In Deutschland haben sich zum Beispiel die Tarifparteien der Chemischen Industrie auf eine lebensphasengerechte Arbeitszeitgestaltung verständigt.

 

In Frankreich schreibt der Gesetzgeber bei der Beschäftigung Älterer Haustarifverträge vor. Darin geregelt sind unter anderem die Rekrutierung älterer Mitarbeiter, deren Weiterbildung, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Übergang in die Rente.

 

In anderen Teilen Europas ist diese Thematik jedoch noch nicht angekommen – oder es gibt drängendere Probleme. So sind die Beschäftigtenquoten in der Altersklasse 55plus in Griechenland, Portugal und Rumänien zwischen 2000 und 2012 zurückgegangen.

 

Nach Arbeitsmarktreformen Beschäftigungsboom für Ü60-Generation

Keine andere Altersgruppe hat in den letzten zehn Jahren ihre Erwerbsbeteiligung so stark erhöht wie die Älteren: Unter den 60- bis 64-jährigen stieg der Anteil der Erwerbstätigen von 21 Prozent im Jahr 2001 auf 44 Prozent im Jahr 2011. Die Renten- und Arbeitsmarktreformen der vergangenen Jahre haben also nicht, wie verbreitet befürchtet, zu mehr Arbeitslosigkeit geführt, sondern zu mehr Jobs.

 

Dabei handelte es sich keineswegs nur um Minijobs oder andere prekäre Beschäftigung. Denn auch der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg von 11 auf 29 Prozent. Hinzu kommen die Selbstständigen und die Beamten, die zwar nicht sozialversicherungspflichtig sind, aber dennoch nicht als Sozialfälle angesehen werden können. Somit hat die große Mehrheit der zusätzlich auf dem Arbeitsmarkt aktiven Älteren eine reguläre Beschäftigung gefunden.