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15.06.2015
Gesetzliche Rentenversicherung

Die Rente von morgen

Die Jüngeren zahlen Beiträge und finanzieren damit die Rente der Älteren. Dieses System der Umlagefinanzierung sichert das Gros der Alterseinkommen schon seit fast 60 Jahren. Das wird auch so bleiben – doch wie ändern sich die Bedingungen für alle Beteiligten?

Die gesetzliche Rentenversicherung ist besser als ihr Ruf. Denn grundsätzlich funktioniert der Generationenvertrag – allerdings verschieben sich die Relationen zwischen Beitragszahlern und Rentnern immer mehr. Während es in Deutschland bei der Einführung des Umlageverfahrens im Jahr 1957 noch mehr Geburten als Sterbefälle gab, ist dieses Verhältnis seit den 1980er Jahren umgekehrt. Die Folge: Der Beitragssatz zur Rentenversicherung stieg von 17 Prozent im Jahr 1970 über 18 Prozent im Jahr 1980 auf – erstmals – mehr als 20 Prozent im Jahr 1997.

Riester und Rürup zusätzlich zur klassischen Rente

Ausschlaggebend für die Beitragserhöhung Ende der neunziger Jahre war zwar vor allem die schlechte Beschäftigungssituation. Und der demografische Wandel ließ einen weiteren Anstieg des Beitragssatzes erwarten. Die Rürup-Kommission, eine 2002 gegründete Expertenrunde, rechnete damals damit, dass der Beitragssatz ohne Reformen bis 2030 auf gut 24 Prozent steigen würde, bis 2040 sogar auf 25,6 Prozent. Damit nicht allein die Beitragszahler die Zeche für niedrige Geburtenraten und eine längere Lebenserwartung zahlen, sind die Lasten der Alterssicherung zunächst mit der Rentenreform 1997 und danach über weiteren Anpassungen neu verteilt worden. Dazu gehören die Riester-Reform, ein Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenformel, mit dem der demografische Wandel berücksichtigt wird, und – seit dem Jahr 2012 – die Rente mit 67.

Gute Konjunktur rettet die Rente

Die Rente von morgen soll eine Kombination aus gesetzlicher Rente und geförderter privater Vorsorge leisten. Damit die Lasten des demografischen Wandels fair verteilt werden, müssen beide Seiten Zugeständnisse machen: Die Rentner müssen mit einem niedrigeren Rentenniveau auskommen. Die Beitragszahler müssen tiefer in die Tasche greifen. Bis zum Jahr 2020 hat der Gesetzgeber den Beitragssatz auf 20 Prozent gedeckelt, danach darf er bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen.

Trotz aller Reformen stieg der Beitragssatz zu Beginn der 2000er Jahre aber wieder an – bis auf 19,9 Prozent in den Jahren 2007 bis 2011. Erst die dauerhaft günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hat zu einer Trendwende geführt. In den Jahren 2012 und 2013 konnte der Beitragssatz schrittweise auf 18,9 Prozent gesenkt werden.

Rente mit 63 verhindert niedrigeren Beitragssatz

Im vergangenen Jahr hätte der Satz sogar auf 18,3 Prozent reduziert werden könnte. Doch weil die große Koalition die Mütterrente und die abschlagfreie Rente mit 63 Jahren beschlossen und damit zusätzliche Ausgaben von anfangs 9 Milliarden Euro pro Jahr verursacht hat, reichte es nur für eine Entlastung auf 18,7 Prozent ab 2015. Auf diesem Niveau wird der Beitragssatz nach heutigem Stand der Dinge bis zum Ende des Jahrzehnts bleiben.

Die demografische Uhr tickt allerdings unerbittlich weiter. Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert deshalb, den Beitragssatz schon heute zu erhöhen, um in der Rentenversicherung vorsorglich einen Kapitalstock anzusparen. Das geht aber nur begrenzt. Denn die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage der Rentenversicherung dient ausschließlich dem Ausgleich saisonaler und konjunktureller Einnahmeschwankungen. Übersteigen die Reserven das 1,5-Fache der monatlichen Rentenausgaben, muss der Beitragssatz laut Gesetz gesenkt werden.

Diese Vorgabe hat gute Gründe. Wird nämlich der Beitragssatz künstlich hoch gehalten, verlieren alle: Die Rentner, weil dann ihre Rentenanpassung schmaler ausfällt, die Arbeitnehmer, weil die höheren Beiträge ihren Spielraum für die private Vorsorge verkleinern.

Die Lücke zwischen Rente und letztem Gehalt

Bei allen Berechnungen ist die alles entscheidende Frage für die Rente, wie hoch das Versorgungsniveau in Relation zum eigenen letzten Verdienst ausfällt. Die Antwort: Angenommen, jemand hat zunächst nur 80 Prozent eines Vollzeitarbeitnehmers verdient, zum Ende seiner Karriere aber 120 Prozent, dann beträgt das Bruttorentenniveau rund 37 Prozent des letzten Bruttoentgelts. Und je mehr man zum Ende des Berufslebens verdient hat, desto drastischer fällt die gesetzliche Rente von diesem Wert ab. So viel ist sicher – für den Rest braucht es private Vorsorge.