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23.03.2015
Handicap Lesen

je schlechter die Lesekompetenz, desto unflexibler die Mitarbeiter

Wer mit schlechten Lesefähigkeiten ins Berufsleben startet, dem fällt es besonders schwer, sich spezielle berufliche Kompetenzen anzueignen. Eine Grundbildung mit tätigkeitsbezogenen Angeboten kann diesem Problem vorbeugen.

In Deutschland sind 4,3 Millionen Menschen ohne Berufsausbildung erwerbstätig – und das, obwohl viele von ihnen nicht einmal ausreichend lesen können, wie die PIAAC-Studie – Programme for the International Assessment of Adult Competencies – zeigt: Im Jahr 2012 konnten hierzulande fast 18 Prozent der Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren nur kurze Texte mit einfachen Worten lesen und verstehen – was der Lesekompetenz eines zehnjährigen Kindes entspricht.

Wer nur auf dieser ersten von fünf Kompetenzstufen lesen kann, kommt weder im Alltag noch im Beruf gut zurecht. Grundsätzlich geht eine geringe Schulbildung meist Hand in Hand mit einer geringen Lesefähigkeit: Drei von vier Personen ohne Schulabschluss haben erhebliche Probleme, einfache Texte zu verstehen. Bei Personen, die einen Hauptschulabschluss und eine Berufsausbildung in der Tasche haben, gilt dies nur für drei von zehn Personen.

55- bis 64-Jährige lesen am schlechtesten

Dabei sind die Testergebnisse bei den jüngeren Erwachsenen besser als bei den älteren: Die besten Leseleistungen verzeichnen hierzulande die 25- bis 34-Jährigen, die schlechtesten Ergebnisse erzielen die 55- bis 64-Jährigen. Oft wird argumentiert, hier handele es sich um einen altersbedingten Kompetenzverlust. Analysen zeigen aber, dass das beim Bildungsabschluss erworbene Kompetenzniveau eine enorme Langzeitwirkung hat: Die bei den älteren Personen gemessenen Fähigkeiten entsprechen dem Niveau, das diese Menschen bei ihrem Schulabschluss hatten.

Flexibilität am Arbeitsplatz abhängig von Lesekompetenz

Wer kaum lesen und schreiben kann, dem fällt es schwer, mit Veränderungen am Arbeitsplatz umzugehen und neue Aufgaben zu übernehmen. Da aber vielerorts die Anforderungen steigen, ist eine gute Grundbildung die Voraussetzung, um beschäftigungsfähig zu bleiben. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert daher speziell Angebote zur arbeitsplatzbezogenen Grundbildung.

Das Projekt AlphaGrund

Im Projekt AlphaGrund werden Bildungsangebote entwickelt, die auf die Bedürfnisse geringqualifizierter Arbeitnehmer ausgerichtet sind. Dazu wird zunächst ermittelt, in welchen Bereichen es an Grundbildung hapert. In speziellen Kursen soll dann beispielsweise die Fähigkeit verbessert werden, Sicherheitsvorschriften verstehen, Berichte und Protokolle lesen und schreiben zu können. Das Projekt wird vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln, von den Bildungswerken der Wirtschaft in Hessen und Thüringen sowie dem Bildungsträger BBQ Berufliche Bildung in Nordbaden umgesetzt. 
Weitere Informationen unter: alphagrund-projekt.de.