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04.09.2013
Industrie fürchtet steigende Energiekosten

Die hohen Strompreise in Deutschland belasten die Industrie. Wenn darunter die Investitionen leiden oder einzelne energieintensive Unternehmen sogar abwandern, gerät die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft – belegt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.

Gerade die hiesige Industrie zahlt bereits einen hohen Preis für Elektrizität, zeigt der Vergleich mit den europäischen Nachbarländern: In Deutschland lag der Strompreis für industrielle Großkunden mit einem Verbrauch zwischen 20.000 und 70.000 Megawattstunden im Jahr 2012 bei 10,4 Cent je Kilowattstunde – das war mehr als drei Cent teurer als in Frankreich und lag um gut 1,2 Cent über dem Durchschnitt aller 27 EU-Länder.

Und die Energiewende treibt den Strompreis tendenziell weiter in die Höhe, verantwortet zu einem guten Teil von der EEG-Umlage, die die Kosten der garantierten und über dem Marktpreis liegenden Einspeisevergütungen für regenerativen Strom auf alle Stromverbraucher umverteilt. Die Umlage liegt derzeit bei knapp 5,3 Cent je Kilowattstunde Strom – weniger zahlen lediglich Unternehmen, bei denen die Stromkosten mehr als 14 Prozent ihrer Bruttowertschöpfung betragen.

Die Ausnahmeregelungen stehen in der Kritik; welche Konsequenzen für die Industrie jedoch daraus erwachsen würden, wenn diese Ausnahmeregelungen abgeschafft werden, hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) genauer untersucht. Berücksichtigt haben die Kölner Forscher auch die Möglichkeit, dass der Strompreis aus anderen Gründen steigt – etwa, um den dringend erforderlichen Ausbau der Stromnetze zu finanzieren.

Besonders betroffen von Mehrkosten wären die Chemische und die Metall- und Elektro-Industrie, auf die jeweils ein Fünftel des gesamten Industriestromverbrauchs entfällt. Das heißt: Ein angenommener Strompreisanstieg um zwei Cent je Kilowattstunde würde der Chemie jährlich 742 Millionen und den Metall-Unternehmen 707 Millionen Euro an zusätzlichen Kosten aufbürden.

Damit nicht genug: Für Unternehmen, die energieintensiv produzieren, ist die Situation in Deutschland ohnehin schwierig, wie in der derzeit ausgesprochen schwachen Investitionstätigkeit zum Ausdruck kommt: Seit dem Jahr 2000 haben die energieintensiven Branchen Metall, Chemie, Glas, Keramik, Steine und Erden sowie Papier fast durchgängig weniger investiert, als nötig gewesen wäre, um die Abnutzung ihrer Produktionsstätten auszugleichen. Steigt der Strompreis hierzulande infolge der Energiewende weiter an, könnte sich dieser schleichende Desinvestitionsprozess in den energieintensiven Branchen noch beschleunigen.

Auch das filigrane Produktions- und Kooperationsnetzwerk der Wirtschaft würde durch steigende Strompreise in Mitleidenschaft gezogen. Rund 80 Prozent der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes haben enge Lieferbeziehungen mit der energieintensiven Industrie und etwa 40 Prozent arbeiten mit ihr vor allem in der Forschung und Entwicklung eng zusammen.

Es hätte also Folgen, sollte das eine oder andere energieintensive Unternehmen wegen der hohen Strompreise beispielsweise nach Frankreich, in den Nahen Osten oder in die USA abwandern: Ein Drittel der Industriefirmen befürchtet für diesen Fall schlechtere Geschäfte, wie eine Befragung von 1.500 Unternehmen für das IW-Zukunftspanel im Jahr 2012 ergab.