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16.10.2013
Industrielle Standortqualität: Deutschland auf gutem Kurs

Die Produktionsbedingungen für das Verarbeitende Gewerbe haben sich in Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre besser entwickelt als im Durchschnitt wichtiger Konkurrenzländer. Einige Volkswirtschaften konnten ihre Standortqualität allerdings noch deutlich stärker steigern – wobei nicht etwa China, sondern die baltischen Staaten am meisten Tempo machten.

Dabei sind die Rahmenbedingungen hierzulande insgesamt keineswegs schlecht, wie der Index zeigt, den das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zur Messung der industriellen Standortqualität entwickelt hat. Danach erreicht Deutschland im Ranking für das Jahr 2010 – dies ist der aktuellste Stand – einen guten fünften Platz von 45 Industriestandorten. Zudem haben sich die Bedingungen in Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre stärker verbessert als im Durchschnitt der Konkurrenz: Was die Dynamik der industriellen Standortqualität in den Jahren 1995 bis 2010 angeht, landet Deutschland auf Platz 18 von 45 Ländern.

Damit liegt der Standort Bundesrepublik deutlich vor anderen etablierten Industrienationen wie Großbritannien oder den USA, die sich nur auf den Rängen 44 und 43 wiederfinden. Dabei punktet Deutschland unter anderem mit dem Abbau von Arbeitsmarkt- und Produktregulierungen, einer verbesserten Kommunikations-Infrastruktur und dem steigenden Bildungsniveau der Bevölkerung.

An der Spitze des Dynamik-Rankings stehen allerdings drei kleine und recht junge EU-Mitglieder: In Estland, Lettland und Litauen hat sich die industrielle Standortqualität von 1995 bis 2010 am stärksten verbessert.

Dabei schnitten die drei baltischen Staaten fast in sämtlichen Teilbereichen des IW-Index überdurchschnittlich ab. In besonders hohem Maße profitierten sie von zunehmend effizient handelnden Regierungen, Verbesserungen in Sachen Wettbewerbsordnung, Rechtsprechung und Korruptionskontrolle sowie einem wirtschaftlicheren Einsatz von Energierohstoffen.

Im Niveauvergleich der Standortqualität erzielen die Balten zwar ein nicht ganz so gutes Ergebnis wie bei der Dynamik, können sich aber immerhin im hinteren Mittelfeld auf den Rängen 25, 29 und 33 platzieren. Damit befinden sie sich in prominenter Gesellschaft, schneidet China mit Platz 31 im Niveauvergleich doch ähnlich ab. Ein wenig überraschen mag es, dass das aufstrebende Reich der Mitte in Sachen Standortdynamik „nur“ Rang sieben belegt. Doch die Chinesen konnten eben nur in einigen Bereichen große Fortschritte erzielen – etwa bei den Produktionskosten sowie im Bildungsbereich. Dagegen kamen die Verbesserung des staatlichen Ordnungsrahmens sowie der Ausbau der Infrastruktur deutlich schleppender voran als in den meisten anderen Ländern.

Die von der Euro-Schuldenkrise gebeutelten Länder kommen dagegen wirtschaftlich nur langsam auf die Beine, was nicht zuletzt in ihren erheblichen strukturellen Schwächen begründet liegt, die sich auch im IW-Index zur industriellen Standortqualität niederschlagen. Allerdings sind die Baustellen nicht überall gleichermaßen groß:

Irland bot der Industrie im Jahr 2010 sogar relativ gute Bedingungen, vor allem aufgrund des stabilen staatlichen Ordnungsrahmens. Allerdings hat sich die Standortqualität seit 1995 schlechter entwickelt als anderswo. Besonders negativ schlagen die gestiegenen Arbeitskosten zu Buche.

Spanien dagegen erzielte zuletzt eine leicht unterdurchschnittliche Standortbewertung, wobei sich nicht zuletzt das hohe Kostenniveau negativ auswirkte. Allerdings war Spanien das einzige Krisenland mit einer vergleichsweise hohen Dynamik – insbesondere im Bereich Bildung und Innovationen verbesserten sich die Standortindikatoren deutlich.

Portugal konnte bei der Entwicklung der Standortqualität in etwa mit dem Durchschnitt der Konkurrenz mithalten. Einige schwerwiegende Defizite gibt es aber weiterhin – vor allem im Bildungs- und Innovationsbereich sowie im Unternehmenssektor, dem es unter anderem an der nötigen Kundenorientierung fehlt.

Italien ist seit Mitte der 1990er Jahre sogar noch weiter hinter die übrigen Industrieländer zurückgefallen, vor allem hinsichtlich der Kostensituation. Darüber hinaus hapert es aber auch erheblich in Sachen Regulierung und Bürokratie sowie im Bildungswesen.

Griechenland kann zwar eine durchschnittliche Standortentwicklung vorweisen, bildet aber dennoch von den Euro-Krisenstaaten im aktuellen Niveauvergleich das Schlusslicht. Niedrige Indexwerte erzielt das Land insbesondere bei den staatlichen Rahmenbedingungen sowie im Unternehmensbereich, wo die fehlende Kundenorientierung zu den Minuspunkten zählt.