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14.11.2013
IW-Bildungsmonitor 2013: Bundesländer glänzen in unterschiedlichen Kategorien

Mehr Ganztagsschulen, höher qualifizierte Erzieher, steigende Absolventenzahlen: Die Bildungssys¬teme in den 16 Bundesländern haben sich weiter verbessert. Zu diesem Ergebnis kommt der Bildungsmonitor 2013 des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), der die Qualität der Ausbildung auf der Basis von 93 Einzelindikatoren in zwölf relevanten Handlungsfeldern bewertet, unter anderem im Hinblick auf Ansätze, Bildungsarmut zu reduzieren, auf Beiträge zur Fachkräftesicherung und die Stärkung von Wachstumskräften.

Wie bereits im Vorjahr belegte das ostdeutsche Bundesland Sachsen auch beim Bildungsmonitor 2013 den ersten Platz, gefolgt von Thüringen und Bayern. Bayern und Sachsen haben sich darüber hinaus – ebenso wie Hamburg – gegenüber dem Vorjahr besonders stark verbessert.

Dabei zeichnet sich jedes Bundesland durch individuelle Stärken aus, wie ein Blick auf die zwölf Handlungsfelder des Bildungsvergleichs zeigt:

Mit einem breiten Ganztagsangebot weist Sachsen besonders gute Bedingungen für eine frühe Förderung des Nachwuchses auf. Dort besuchen fast 78 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen einen Ganztagskindergarten, doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt. IW-Bildungsökonom Axel Plünnecke betont die wichtige Rolle der Betreuung und vor allem Förderung Unter-Dreijähriger in Kindergärten, Kindertagesstätten und Ganztagsschulen: „Eine ökonomische Vernunft bedeutet, dass man die Mittel, die man einsetzt, möglichst effizient einsetzen möchte, dass man Potenziale sieht, dass man auch erkennt, dass sich Investition in die frühkindliche Förderung, in die Kindergärten, in die Ganztagsschulen lohnt.“ Vor allem Kinder mit Migrationshintergrund profitierten von einer frühkindlichen Förderung, so Plünnecke: „Der Zusammenhang von Herkunft und Bildungsergebnissen wird immer schwächer, das sieht man bei den Jugendlichen, die früh gefördert wurden.“

Sachsen weist zudem eine exzellente Förderinfrastruktur und hohe Schulqualität auf und vermeidet zugleich sehr erfolgreich die Entstehung von Bildungsarmut: Nur relativ wenige Schüler in diesem Bundesland schaffen es nicht, die Mindeststandards im Lesen und Rechnen sowie in den Naturwissenschaften zu erreichen. Die sächsischen Neuntklässler haben sogar bundesweit die höchsten Kompetenzen in Mathematik und den Naturwissenschaften (MINT).

Beim sinnvollen Einsatz von Ressourcen schneidet Thüringen am besten ab, weil das Bundesland einerseits relativ sparsam ist, was die öffentlichen Ausgaben pro Einwohner insgesamt betrifft, sich andererseits aber großzügig bei den Ausgaben für Schüler an Grund- und Sekundarschulen sowie an beruflichen Schulen zeigt. So sind denn auch die Schüler-Lehrer-Relationen sowie die Klassengrößen in Thüringen ausgesprochen günstig: Dort kommen in der Grundschule auf einen Lehrer durchschnittlich 14,5 Kinder; in den allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufe I sind es – mit Ausnahme der Gymnasien – sogar nur zehn Schüler pro Lehrkraft.

In Sachen beruflicher Bildung liegt Bayern an der Spitze: Im Freistaat gibt es überdurchschnittlich viele Ausbildungsstellen, hohe Erfolgsquoten bei den  Abschlussprüfungen und ein großes Interesse an Erwachsenenfortbildungen. „Die Wirtschaft wünscht sich, die Anzahl junger Erwachsener ohne Berufsabschluss weiter zu senken. Da ist schon Einiges auf dem guten Weg“, so Axel Plünnecke.

Beim Thema Internationalisierung steht Baden-Württemberg an der Spitze – auch weil die dortigen Schüler überdurchschnittlich gut Englisch können.

Besonders zeiteffizient ist das Bildungssystem in Schleswig-Holstein, wo fast kein einziges Kind verspätet eingeschult wird und auch nur wenige Schüler ein Schuljahr wiederholen müssen.

Die Integration gelingt in Rheinland-Pfalz am besten, wo relativ viele ausländische Jugendliche an beruflichen Schulen eine Studienberechtigung erlangen. Auch die soziale Herkunft der Kinder wirkt sich dort weniger stark auf die Schulergebnisse aus als anderswo.

Die Akademisierung wiederum ist in Bremen besonders weit vorangeschritten: 2011 lebten in der Hansestadt 74.000 Akademiker im erwerbsfähigen Alter, im selben Jahr erlangten dort knapp 5.700 Studenten einen Hochschulabschluss. Und auch im MINT-Bereich spielt Bremen vorne mit. „Die Anfängerzahlen in den MINT-Studiengängen steigen. Viele Initiativen der Wirtschaft und der Politik greifen dort, und da ist der Ausblick, was Ingenieursengpässe angeht, gar kein so großes Problem mehr“, so Plünnecke. Er warnt aber auch vor Problemen, die sich daraus für die berufliche Bildung und den nichtakademischen Fachkräftemangel ergeben können: „Aus verschiedenen Studien wissen wir, dass dort in den nächsten 10 bis 15 Jahren Engpässe drohen.“

In der Forschung prescht Berlin vor: Die Hochschulen der Hauptstadt weisen hohe Habilitations- und Promotionsquoten auf, die Promotionsquote ist sogar bundesweit spitze. Außerdem sind die Professoren in Berlin bei der Einwerbung von Drittmitteln überdurchschnittlich erfolgreich.

Wie sehr Investitionen in das Bildungssystem lohnen, zeigen Modellrechnungen, die die Wachstums¬impulse bildungspolitischer Veränderungen messen. Insgesamt haben demnach die Fortschritte im deutschen Bildungswesen und die dadurch verbesserte Fachkräftesicherung von 2000 bis 2011 zu einem Wertschöpfungseffekt von 18 Milliarden Euro beigetragen, wobei das Gros dieser Summe dem Anstieg der Hochschulabsolventenzahl zu verdanken war (14,7 Milliarden Euro). Der Rest, also Wertschöpfung in Höhe von 3,3 Milliarden Euro, ist auf die Reduzierung der Bildungsarmut zurückzuführen.