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07.08.2014
Materialeffizienz: Zum Wegwerfen zu schade

Anders als die Verbraucher und die Politik beschäftigt sich die Wirtschaft recht intensiv mit dem Thema Materialeffizienz. Eine Studie des IW Köln zeigt, welche Methoden die Betriebe in puncto Materialeinsparung bereits umsetzen - und woran manche nach wie vor scheitern.

Gründe, Material sparsam einzusetzen, gibt es genug: sei es die Verringerung der Materialkosten, seien es die Wettbewerbsvorteile, die durch einen effizienteren Einsatz entstehen oder – nicht zuletzt – der Schutz der Umwelt.

Für das produzierende Gewerbe sind dabei die Vermeidung von Verschnitt und Ausschuss die am weitesten verbreiteten Methoden materialeffizienter Arbeit: Mehr als jedes zweite Unternehmen verfolgt diese Ansätze stark, weitere Betriebe zumindest manchmal, so das Ergebnis einer von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt geförderten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, für die knapp 1.800 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen befragt wurden.

Ebenfalls recht häufig praktizieren die Industrieunternehmen eine materialschonende Lagerhaltung, eine hohe Auslastung der Maschinen sowie die Wiederverwertung von Material. Gießereien beispielsweise verwenden für ihre Arbeit Sandformen – und dieser Sand kann, nachdem er gereinigt wurde, wiederverwendet werden. Zu solchen Methoden der internen Kreislaufführung greift immerhin bereits jeder dritte Industriebetrieb.

Aber auch Dienstleistungsfirmen sind bestrebt, ihre Materialeffizienz zu erhöhen. Allerdings sind für sie viele Möglichkeiten schlichtweg nicht relevant, da sie viel weniger Material verarbeiten und nicht so viele Maschinen betreiben. Lediglich bei Büromaterialien sind die Serviceunternehmen noch mehr als die produzierenden Betriebe darum bemüht, Einsparungen zu erzielen.

Um Material effizienter zu nutzen, ist es hilfreich, den Materialverbrauch zu messen und zu kontrollieren. Wer das tut, kann anschließend wesentlich einfacher die Verwendung optimieren. Zu den organisatorischen Rahmenbedingungen, die helfen, Einsparpotenziale zu erkennen, zählen auch betriebliche Einrichtungen – angefangen beim Vorschlagswesen über das Qualitätsmanagement bis hin zu Umweltmanagementsystemen. Die IW-Analyse zeigt dabei auch, wie bedeutsam die Messung des Materialeinsatzes für das tägliche Ergreifen von Maßnahmen ist.

Denn die Steigerung der Materialeffizienz wird zumeist durch kleine Schritte befördert und sehr viel seltener durch größere Umstellungen: Das Vorgehen in kleinen Schritten wird in den Unternehmen dieser Befragung mehr als dreimal häufiger genannt als größere Veränderungen wie die Einführung neuer Verfahren oder die Ersetzung eines Materials. Dies dürfte vor allem auf kleine Optimierungen am Prozess zur Verringerung von Ausschuss und Verschnitt zutreffen. Gut ein Fünftel der Unternehmen versucht zudem, ein quantifiziertes Materialeffizienzziel zu erreichen, und kontrolliert dieses auch.

Nicht selten scheitern Effizienzbemühungen jedoch auch an finanziellen Möglichkeiten – schließlich kann nicht jeder Betrieb ohne weiteres eine sparsamere Anlage oder präzisere Maschinen finanzieren. Manchmal mangelt es den Unternehmen allerdings auch nur an Informationen zur Verbesserung der Materialeffizienz. Das ist ökonomisch und ökologisch folgenschwer, denn auch dies zeigt die IW-Studie: Gut informierte Unternehmen setzen sich mehr für die Optimierung ihres Materialeinsatzes ein als weniger gut informierte.