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13.11.2014
Mehr Zeitverträge bei Doktoren als bei Geringqualifizierten

In Deutschland haben nur acht Prozent aller Beschäftigten einen befristeten Arbeitsvertrag – Tendenz sinkend. Besonders häufig befristet der öffentliche Dienst. Oft betrifft es Wissenschaftler, die für zeitlich begrenzte Projekte arbeiten. Schon von daher ist es wenig sinnvoll, das Befristungsrecht zu verschärfen, wie es jetzt gefordert wird.

 

„Befristungen auf dem Vormarsch“

Solche Schlagzeilen sind in den Medien immer wieder zu lesen. Regelmäßig wird dann versucht, aus solchen Meldungen politisches Kapital zu schlagen. So wollen SPD, Grüne, Linke und Gewerkschaften befristete Verträge verbieten, wenn es keinen sachlichen Grund dafür gibt, und den Katalog der anerkannten Sachgründe durchforsten. Experten vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sehen diesen Vorstoß als unbegründet. Denn der Anteil der Arbeitnehmer, die einen befristeten Arbeitsvertrag haben, ist seit 2005 letztlich zurückgegangen. Und auch für die Jahre davor lässt sich kein richtiger Zuwachs identifizieren. Der Sprung im Jahr 2005 ist im Wesentlichen auf eine Umstellung der Statistik zurückzuführen. Es ist von daher unredlich, das Jahr 1991 mit dem Jahr 2013 zu vergleichen und daraus Handlungsbedarf abzuleiten.

 

Öffentlicher Dienst: Weltmeister im „Befristen“

Überdies ist die Gruppe der befristet Beschäftigten auch nicht besonders schutzbedürftig. Denn es sind vor allem Universitätsabsolventen und Promovierte, die einen Vertrag mit Verfallsdatum haben.

So werden beispielsweise Doktoren häufiger befristet beschäftigt als Geringqualifizierte.

Dies hängt wesentlich mit der Einstellungspraxis des öffentlichen Dienstes zusammen. Während zum Beispiel im Verarbeitenden Gewerbe die Befristungsquote mit sieben Prozent unter dem Durchschnitt liegt, kommt die öffentliche Verwaltung auf 11 Prozent.

 

Junge Akademiker zu 80 Prozent mit Zeitverträgen

Noch höher ist die Quote in dem zur Verwaltung zählenden Bereich Erziehung und Unterricht, was auf die rigorose Befristungspraxis der Hochschulen zurückzuführen ist – für Wissenschaftler hat der Gesetzgeber sogar erleichterte Befristungsregeln erlassen. Deshalb haben dort junge Akademiker zu 80 Prozent Zeitverträge. Für den Einzelnen mag das ärgerlich sein – ein generelles Problem ist es nicht. Denn Akademiker haben viel bessere Verdienst- und Arbeitsmarktchancen als andere – sie fallen mithin nicht in ein ökonomisches Loch, wenn ein Vertrag ausläuft.

 

Starker Kündigungsschutz in Deutschland

Eine weitere Regulierung der Befristungsmöglichkeiten ist aber nicht nur unnötig, sondern wäre schon deshalb besonders kontraproduktiv, weil hierzulande Entlassungen nur in ganz engen Grenzen möglich und sehr teuer sind: Beim Kündigungsschutz belegt Deutschland im Vergleich aller Industrieländer den Spitzenplatz. Was an Flexibilität bei Standard-Beschäftigungsverhältnissen fehlt, müsse laut IW durch Befristungen oder Zeitarbeit kompensiert werden. Sind auch diese Wege eingeschränkt, nimmt der Staat den Betrieben die Möglichkeit, rasch auf eine schwankende Nachfrage zu reagieren.