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Wirtschaftliche Lage der Kalkindustrie bessert sich – altes Niveau aber noch nicht erreicht

BVK-Jahrestagung in Hamburg

 

Michael Liell, Geschäftsführung Rheinkalk, Wülfrath, und Moritz Iseke, geschäftsführender Gesellschafter der Kalkwerke Oetelshofen, Wuppertal, als Vorsitzende des BVK bestätigt

Wirtschaftliche Lage der Kalkindustrie bessert sich nach dem Krisenjahr 2010 deutlich – altes Niveau aber noch nicht erreicht

 

Hamburg, 18. Juni 2010

 

Michael Liell, Mitglied der Geschäftsführung der Rheinkalk GmbH, Wülfrath, wurde als Vorsitzender der deutschen Kalkindustrie und Moritz Iseke, geschäftsführender Gesellschafter der Kalkwerke H. Oetelshofen GmbH & Co. KG, Wuppertal, als stellvertretender Vorsitzender von der Mitgliederversammlung in Hamburg einstimmig bestätigt. Beide freuen sich, die deutsche Kalkindustrie auch in den kommenden zwei Jahren gemeinsam mit dem Hauptgeschäftsführer Martin Ogilvie vertreten zu können.

„Gerade in diesen politisch und wirtschaftlich besonders herausfordernden Zeiten ist es für die Kalkindustrie von entscheidender Bedeutung, durch einen starken Verband in Berlin und Brüssel vertreten zu sein, um die industriepolitischen Notwendigkeiten für den Standort Deutschland und die Kalkindustrie darstellen zu können“, so der wiedergewählte Vorsitzende Liell. „Als Vertreter eines weltweit operierenden Kalkproduzenten weiß ich sehr genau, dass wir die Standortbedingungen in Deutschland nicht weiter verschlechtern dürfen, wollen wir auch weiterhin Industriebetriebe in Deutschland haben“, so Liell weiter.

Der Vorsitzende stellte auch die aktuellen Zahlen der Kalkindustrie vor:

Bei den ungebrannten Produkten setzte sich die im Herbst 2008 begonnene Talfahrt in 2009 fort. Bereits 2008 hatte die Kalkindustrie einen Rückgang um 6 % zu verkraften.

Mit einem Gesamtabsatz von ca. 19 Mio. Tonnen ist er noch einmal um 11 % niedriger als im Jahr 2008.

Fast die Hälfte dieses Absatzes ging in das Baugewerbe, insbesondere in den Bereich Straßen- und Wegebau. Der Absatzrückgang für dieses Segment war mit weniger als 10 % geringer als in den anderen Bereichen. Wie sich aber gerade der Straßen- und Wegebau nach dem Auslaufen der Konjunkturprogramme und den desolaten Haushalten der Länder und Kommunen entwickelt, bleibt abzuwarten.

Auch wenn die Lieferungen für Umweltschutzanwendungen gesteigert werden konnten, wurde das negative Gesamtergebnis durch den Einbruch im Industriesektor - und speziell in der Eisen- und Stahlindustrie - verursacht. Hier wurden mehr als 28 % weniger Kalksteinprodukte verkauft als noch im Jahr 2008.

Beim Absatz von Düngekalken in der Land- und Forstwirtschaft liegt das Ergebnis mit 1,3 Millionen Tonnen um 14,1 % unter den Zahlen von 2008.

Noch dramatischer ist das Ergebnis 2009 bei den gebrannten Produkten.

Bereits 2008 wurden mit 2,4 Millionen Tonnen 3 % weniger Branntkalk in die Eisen- und Stahlindustrie geliefert. 2009 konnten nur noch weniger als 1,8 Millionen Tonnen geliefert werden. Dies ist ein Absatzrückgang von fast 27 %. Im gesamten Bereich Industrie sank die Menge auf 2,4 Millionen Tonnen, was einen Rückgang von 27,8 % bedeutet. Jede vierte Tonne ist damit weggebrochen.

Die Verwendungen im Umweltschutzbereich haben sich unterschiedlich entwickelt. Bei der Wasserbehandlung gab es ein Minus von 9,7 % auf 451 Tt. Bei der Luftreinhaltung gab es dagegen ein leichtes Plus auf 857 Tt. Insgesamt hat sich dieser Bereich mit - 1,2 % moderat entwickelt.

Noch im vergangenen Juni ist die Kalkindustrie davon ausgegangen, dass sie nicht nur kurzfristig mit einem deutlich niedrigeren Absatzniveau rechnen müsse. Die ersten vier Monate des Jahres 2010 zeigen, dass die Achterbahnfahrt weitergeht.

Bei den gebrannten Produkten konnte die Kalkindustrie – trotz des langen Winters – von Januar bis April insgesamt 2,03 Mio. t absetzen. Dies ist ein Zuwachs von 16,9 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Absatz an die Industrie ist von 0,715 Mio t auf 1,04 Mio t angestiegen. In beiden Bereichen hat die Kalkindustrie von der Konjunktur bei ihren wichtigen Abnehmern, der Eisen- und Stahl- sowie der Chemieindustrie profitiert. Auch der Umweltschutzsektor konnte mit 0,45 Mio t einen Zuwachs verzeichnen. Weiter abwärts ging es dagegen in den Bereichen Baustoffindustrie und Baugewerbe.

Die deutsche Kalkindustrie schaut positiv in die nahe Zukunft. Die Kalkindustrie forderte die Bundesregierung aber sehr deutlich auf, - auch im Rahmen des Sparkonzeptes - die energieintensive Industrie nicht weiter zu belasten und den begonnenen Aufschwung abzuwürgen. Es geht bei der Kalkindustrie nicht um Subventionsabbau oder um Mitnahmeeffekte sondern schlicht und einfach um die Verhinderung weiterer wettbewerbsschädigender Belastungen.

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Martin Ogilvie legte der Mitgliederversammlung den Geschäftsbericht 2009/2010 vor und erläuterte die wichtigsten Themenbereiche. Aktuelle Kernbereiche der Verbandstätigkeit sind die Ausgestaltung des Emissionshandels nach 2012, die fristgerechte Umsetzung der REACH-Vorgaben in der Kalkindustrie und das neue Energiekonzept der Bundesregierung. „Als energieintensive Industrie begrüßen wir das Vorhaben der Bundesregierung, eine ideologiefreie Energiepolitik gestalten zu wollen, und werden uns an der Ausgestaltung aktiv beteiligen“, so Ogilvie. „Wir brauchen eine Energie- und Rohstoffpolitik, die sich auch an den industriepolitischen Notwendigkeiten des Standortes Deutschland ausrichtet.“

 

 

Jeder Bundesbürger verbraucht täglich etwa 250 g gebrannte und 5,5 kg ungebrannte Kalk- und Dolomiterzeugnisse. Im Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie e.V. (BVK) sind über 120 Mitgliedsfirmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreten mit insgesamt mehr als 4.000 Beschäftigten und einem Gesamtumsatz von rund 650 Millionen Euro.