Deutschlands Strom-Situation

Energie

 

Strom ist allgegenwärtiger denn je. Immer mehr Alltagsgegenstände benötigen Strom, auch in Verkehr und Industrie geht es schon lange nicht mehr ohne. Und spätestens seit Fukushima steht die zukünftige Energiegewinnung ganz oben auf der Agenda. Genügend Gründe für einen Blick auf Deutschlands Strom-Situation.

Morgens, halb 7 in Deutschland: Unzählige Wecker klingeln, die Kaffeemaschinen der Nation werden angeschmissen, die Radios aufgedreht, auf dem iPad wird Zeitung gelesen. Elektrische Geräte begleiten die Deutschen durch den Tag. Und die brauchen Strom: Ein Vier-Personenhaushalt benötigt etwa 4.000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Das ist elektrische Energie im Wert von ungefähr 1.200 Euro ? je nach Wohnort und Anbieter. Ein Single-Haushalt hingegen verbraucht 2.050 Kilowattstunden pro Jahr. Der Pro-Kopf-Verbrauch in einer Familie ist damit weitaus ökonomischer ? und ökologischer.

 

Die Zukunft ist grün

Denn Strom ist nicht nur teuer, sondern belastet in der Gewinnung durch Emissionen meist auch die Umwelt. Das Umweltbundesamt hat 2011 die Anteile der Emittenten ermittelt: Größter Produzent von Treibhausgasen ist mit einem Anteil von 45 Prozent die Energiewirtschaft, die aus verschiedenen Quellen den Strom erst gewinnt. 19 Prozent aller Emissionen, die aus der Energiegewinnung entstehen, gehen auf den Verkehr zurück. Haushalte und Industrie sind für jeweils 14 Prozent der entstehenden Treibhausgase verantwortlich.

Weil die Klimaschädlichkeit von CO2-Emissionen als anerkannt gilt und fossile Brennstoffe nicht endlich sind, liegt ein großes Interesse auf der Stromgewinnung, die sowohl klimafreundlich und erneuerbar ist als auch kein Strahlenrisiko in sich trägt. Wind, Wasser, Sonne und Biomassen sind regenerative Energiequellen, deren Nutzung in den letzten 20 Jahren mehr als versechsfacht werden konnte. Heute kommt 20 Prozent des deutschen Stroms aus diesen Quellen ? und die von der Bundesregierung eingeläutete Energiewende sieht einen noch stärkeren Ausbau der Erneuerbaren vor: Bis 2030 soll ihr Anteil am Stromvolumen auf die Hälfte und bis 2050 gar auf 80 Prozent gesteigert werden.

 

Das  Erneuerbare-Energien-Gesetz belastet die Industrie

Ein Vorhaben, das sich der Staat einiges kosten lässt. Der grüne Strom soll beispielsweise durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) unterstützt werden. Dieses bestimmt den Festpreis, mit dem Ökostrom-Anbieter für jede Kilowattstunde, die sie in das öffentliche Stromnetz einspeisen, rechnen können. Der Festpreis ? auch EEG-Umlage genannt ? liegt in diesem Jahr bei fast 3,6 Cent je Kilowattstunde und wird (mit Ausnahmen) von allen Stromverbrauchern getragen. Dass der Strompreis in den vergangenen Jahren einen starken Anstieg erlebte, ist unter anderem auf die EEG-Umlage zurückzuführen.

Der Bund hebt die Subventionen für die Erneuerbaren immer mehr an. Seit 2000 flossen mehr als 50 Milliarden Euro in den grünen Strom und davon allein über 12 Milliarden im vergangenen Jahr. Zukünftige Ökostrom-Subventionen, die durch das EEG bereits beschlossen sind, belaufen sich schätzungsweise auf mehr als 100 Milliarden Euro.

Die EEG-Umlage, durch die die Mehrkosten getragen werden, verteilt sich auf Industrie und Haushalte. Ausgenommen davon sind energieintensive Großverbraucher, bei denen sich durch die Umlage große Nachteile im internationalen Wettbewerb ergeben würden. Alle anderen Stromkunden müssen die Mehrkosten verkraften: Industriestrom ist zum Beispiel in Deutschland seit 2007 von 1,2 Cent auf 3,4 Cent je Kilowattstunde gestiegen. Dies stellt finanzielle Belastungen dar, die in allen Nachbarstaaten nicht zustande kommen, weil der Preis je Kilowattstunde dort maximal bei 1,4 Cent (Frankreich) liegt.