Innovationsmonitor

Worin sehen innovative Unternehmen die zentralen Kriterien, wenn sie Entscheidungen über neue Standorte oder Erweiterungen treffen? Diese Frage ist für die Bundesrepublik als rohstoffarmes Land essenziell, was die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewog, sie an mehr als 2.000 innovative deutsche Unternehmen zu richten. Der daraus entwickelte Innovationsmonitor 2012 zeigt Deutschland im Vergleich zu 27 weiteren Industriestaaten in den Top Ten.

Deutschland ist ein rohstoffarmes Land. Anders als anderswo resultiert hierzulande so gut wie keine Wertschöpfung aus der Förderung und dem Verkauf von Öl oder Gas. Stattdessen beruht das wirtschaftliche Wachstum hierzulande wesentlich auf einer ganz eigenen und zudem regenerativen Ressource: der Innovationskraft der hier ansässigen Unternehmen. Es kommt für Deutschland also sehr darauf an, wonach Unternehmen suchen und unter welchen Bedingungen ein Land von einem Unternehmen, das innovative Produkte und Dienstleitungen produziert, als innovationsfreundlich gesehen wird.

Der wichtigste Faktor für sogenannte Innovatoren ist die Qualifikation der Beschäftigten. Das schließt sowohl die Qualität der schulischen Bildung als auch die der beruflichen und universitären Ausbildung ein. Qualitätsmerkmale der Qualifikation sind hier mathematisch-naturwissenschaftliche Kompetenzvermittlung an der Schule, wie auch MINT-Abschlüsse an Berufs- und Hochschulen.

Weiteres zentrales Ergebnis der Befragung: Innovatoren machen ihre Beurteilung dessen, welche Art von Arbeitskräften sie als besonders wichtig ansehen, davon abhängig, ob sie selbst Forschung und Entwicklung betreiben. Ein guter Teil der Befragten bringt zwar selbst Neuerungen auf den Markt, forscht aber nicht selbst. Viele Innovatoren der deutschen Industrie verfolgen eher das Learning-by-Doing bzw. Trial-and-Error-Prinzip. Sie sind in der Produktion auf technisch gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen, die Erfahrungen und Kunden-Rückmeldungen erfolgreich umsetzen können.

Unter Hinzunahme weiterer wichtiger Rahmenbedingungen (insgesamt 18 Indikatoren) hat die INSM die Standortbedingungen in 28 Industrieländern aus Sicht der deutschen Innovatoren verglichen. Das Ergebnis zeigt: Ob qualifizierte Fachkräfte, liberaler Arbeitsmarkt oder Ausbau der IT-Infrastruktur ? Finnland bietet innovativen Unternehmen die besten Bedingungen. Deutschland belegt einen guten sechsten Rang. Dazu trägt besonders die vorbildliche berufliche Ausbildung hierzulande bei. Die Verfügbarkeit von Risikokapital hingegen ist für innovative Unternehmen unzureichend.

Überraschend: Die USA landen nur auf dem 15. Rang und müssen sich mit den Mittelfeldplatz aufgrund ihrer geringen MINT-Vermittlung an Schulen und Hochschulen begnügen. Wer allerdings in den USA neue Ideen unternehmerisch umsetzen will, stößt hier auf weltweit unerreichte Rahmenbedingungen.

Doch der Innovationsmonitor ist nicht eine bloße Rangliste: Die INSM stellt bei der Analyse des Länderrankings einen Zusammenhang zwischen Innovationskraft und dem derzeit allgegenwärtigen Bonitätsrang eines Landes her. Sechs der sieben innovationsfreundlichsten Staaten werden bei der Ratingagentur Standard & Poor?s momentan mit der besten Länderbonität AAA geführt. Euro-Krisenstaaten wie Portugal, Italien und Griechenland landeten hingegen im Innovationsmonitor unter den letzten acht und damit auf deutlich innovationsunfreundlichen Plätzen. Dies legt nahe: Eine Steigerung der Innovationskraft und eine Liberalisierung der Produktmärkte könnten in diesen Ländern die nötige eigene Kraft zur Überwindung der Krise freisetzen.