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IW-Konjunkturprognose: Wirtschaft mit leichten Zuwächsen

Der Euro schafft es nicht aus dem Schlagzeilen, die Schuldenkrise beeinflusst die Konjunktur der meisten Länder in der Eurozone negativ. Doch deutsche Unternehmen blieben zuletzt größtenteils zuversichtlich.

Besonders die südlichen Euroländer werden derzeit ihrer Schulden nicht Herr, frisches Kapital an den Finanzmärkten wird für sie immer teurer. Das schlägt auf die Wirtschaftsleistung von Ländern wie Spanien, Italien, Portugal, Zypern oder Griechenland durch. Die deutsche Wirtschaft zeigt sich noch vergleichsweise robust. Das Bruttoinlandsprodukt des ersten Quartals 2012 stieg im Vergleich zum Vorquartal um 0,5 Prozent und damit deutlich stärker als von Konjunkturexperten erwartet. Insgesamt errechneten die Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln im Frühjahr ein voraussichtliches Wirtschaftswachstum von 1,25 Prozent für 2012.

Ins Bild dieser positiven Konjunkturprognose passt eine Unternehmensumfrage des IW Köln als Zeitaufnahme aus dem Frühjahr. Danach gingen 40 Prozent der 2.390 befragten Unternehmen von einer steigenden Produktion in diesem Jahr aus, nur etwa 17 Prozent rechneten mit Auftragsverlusten. Im Vergleich zum vergangenen Herbst hatte sich damit die Stimmung in der deutschen Wirtschaft deutlich aufgehellt und war auch im Vergleich zu der vieler europäischer Länder noch vergleichsweise zuversichtlich. In der Zwischenzeit haben  sich die Erwartungen angesichts der Entwicklungen in der Eurozone indes auch in Deutschland eingetrübt.

Das zeigt sich aktuell in der exportorientierten Industrie. Hier liegt der Wert der preis-, saison- und arbeitstäglich bereinigten Bruttowertschöpfung immer noch um 8 Prozent niedriger als vor Beginn der Krise Anfang 2008. Der Erholungsprozess, den die deutsche Industrie in den vergangenen zwei Jahren durchlief, setzt sich damit nicht fort. Die Unternehmensumfrage des IW Köln ergab außerdem, dass zwei von drei Unternehmen höhere Rohstoff- und Energiepreise befürchten und jeder dritte Betrieb steigende Arbeitskosten auf sich zukommen sieht.

Im Baugewerbe und im Dienstleistungssektor ist die Lage dagegen weitaus entspannter. Letzterer wies nach dem ersten Quartal dieses Jahres eine reale Wertschöpfung auf, die das Niveau von 2008 um fast 5 Prozent übersteigt. Ein langfristiger Aufwärtstrend ist hier erkennbar. Das Baugewerbe legte 2011 mit 3,5 Prozent gar das größte Plus seit 1994 hin. Deutsche Baufirmen konnten auch im Winterhalbjahr 2011/12 Zuwächse vermelden. Die Unternehmensumfrage des IW Köln in der Bauwirtschaft ergaben zudem, dass im Frühjahr besonders in den alten Bundesländern für 2012 Optimismus herrscht. Dort rechneten 38 Prozent aller Firmen mit einem weiteren Anstieg der Bauleistungen. Im Osten Deutschlands erwarteten 24 Prozent aller Unternehmen im Baugewerbe Auftragszuwächse - das sind immerhin mehr Firmen als die 22 Prozent, die schlechtere Geschäfte erwarten.