MINT-Akademiker sind Arbeitsmarktgewinner

Wie gut ein Arbeitsplatz empfunden wird, zeigt sich in der Bewertung von Faktoren wie Verdienst, Arbeitsplatzsicherheit oder Arbeitszufriedenheit. Diese Indikatoren liegen bei Befragungen von Akademikern der MINT-Fachrichtungen ? also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ? überdurchschnittlich oft im grünen Bereich: Sie stehen gut da auf Deutschlands Arbeitsmarkt.

Die harten Fakten: Auf jede arbeitslose MINT-Fachkraft kommen drei freie Stellen, die Zahl der MINT-Arbeitslosen ist zudem seit dem Jahr 2000 um die Hälfte zurückgegangen und spätestens nach einem Jahr stehen 70 bis 80 Prozent der Arbeitslosen im MINT-Bereich wieder in Lohn und Brot. Diese fast planwirtschaftlich anmutenden Zahlen geben Anlass, sich die Situation des Berufsstandes einmal genauer anzusehen.

Besonders die innovativen Branchen ? der Maschinen- und Fahrzeugbau sowie die Chemische Industrie und deren Forschungsabteilungen ? haben mit den MINT-Akademikern einen wechselseitig bedingten Aufstieg erlebt. Inzwischen haben zwischen 60 und 80 Prozent der Beschäftigten in diesen Branchen einen akademischen MINT-Abschluss. Doch die hochqualifizierten Akademiker sind nicht nur in der Industrie gefragte Fachkräfte: Auch Banken und Versicherungen stellen zunehmend Absolventen aus diesen Feldern ein ? und in diesen Nicht-MINT-Berufen verdienen sie sogar besser als in ihren klassischen Jobs.

Technische Kompetenzen sind in den verschiedensten Bereichen des Arbeitsmarkts gefragt. Und die Zukunft der MINT-Qualifizierten wird sich wohl auch weiterhin rosig gestalten: Gesellschaftliche und politische Trends wie die Energiewende und die Elektromobilität erfordern genau diejenigen Fähigkeiten, die junge Ingenieure, Chemiker und Physiker an den Universitäten erwerben. Für 2020 wird prognostiziert, dass die EU-Staaten im Schnitt drei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung in Forschung und Entwicklung investieren ? wiederum die Bereiche, in denen MINT-Fachkräfte die Zukunft gestalten.

Ein Blick auf den Zeitraum zwischen dem Abschluss eines MINT-Studiums und dem ersten Arbeitsvertrag zeigt ebenfalls rekordverdächtige Ergebnisse: Selbst im Krisenjahr 2009 hatten Absolventen durchschnittlich nach drei Monaten den ersten Job ? und diesen wiederum zu 90 Prozent unbefristet. Und auch die demografische Entwicklung der deutschen Gesellschaft spielt jungen MINT-Absolventen in die Karten: Aktuell müssen jährlich 45.000 Stellen neu besetzt werden; in wenigen Jahren werden 53.000 neu zu besetzende Posten erwartet. Ein Problem entwickelt sich hier eher für die Arbeitgeber: Es rücken nicht genügend Uni-Absolventen nach. Das hat zur Folge, dass ein akuter Fachkräftemangel wahrscheinlicher wird, obwohl die Betriebe zunehmend ältere Fachkräfte beschäftigen: Ein Viertel der neu geschaffenen MINT-Jobs wurden zwischen 2005 und 2009 von älteren Beschäftigten ab 55 Jahren besetzt.

Und auch die Gehälter von MINT-Akademikern haben sich in den vergangenen 20 Jahren im Vergleich zu anderen Berufsgruppen stark verbessert. Im Jahr 1993 war das Bruttojahresgehalt eines vollzeiterwerbstätigen Ingenieurs am Beginn seiner Laufbahn noch neun Prozent niedriger als das eines vergleichbaren Wirtschaftswissenschaftlers ? im Jahr 2009 aber hatte der Ingenieur zwölf Prozent mehr in der Lohntüte als der Volkswirt oder Betriebswirtschaftler. Genau dies zeigt, wie begehrt die MINT-Experten mittlerweile sind: Heute finden sich die technischen MINT-Berufe geschlossen in der Spitzengruppe der durchschnittlichen Bruttojahresgehälter.