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30.10.2013
Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit: Kinder als Karrierebaustein

In der deutschen Wirtschaft genießt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einen hohen Stellenwert. Zu diesem Ergebnis kommt der Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2013 des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Er zeigt detailliert, wie verbreitet familienbewusste Maßnahmen in den heimischen Betrieben mittlerweile sind.

Unternehmen haben viele Möglichkeiten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern: Bei der Commerzbank ist Job­Sharing auch für Führungskräfte möglich; das Chemieunternehmen BASF offeriert Mitarbeitern, die wegen familiärer Pflichten ihre Arbeitszeit reduzieren, zur Abfederung der Einkommenseinbußen ein zinsloses Darlehen und etwa bei Bosch gilt die Eltern- oder Pflegezeit inzwischen sogar als Karrierebaustein, der bei einer anstehenden Beförderung mit einem längeren Auslandsaufenthalt gleichgesetzt wird.

Wie verbreitet solche familienbewussten Maßnahmen in Deutschlands Betrieben tatsächlich sind, zeigt der Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2013 des IW. Für diese repräsentative Untersuchung – es ist die vierte ihrer Art – wurden mehr als 1.500 Geschäftsführer und Personalverantwortliche befragt. Ergebnis: Für acht von zehn Unternehmen ist Familienfreundlichkeit ein bedeutsames Thema.

Die meisten Firmen nutzen eine familienbewusste Personalpolitik, um ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen und so drohendem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Vor allem der Anteil der Frauen an der Belegschaft steigt bei höherem Familienbewusstsein. Dabei setzen die Betriebe verschiedene Instrumente ein:

Flexible Arbeitszeitmodelle sind die gängigste Methode, familienfreundliche Strukturen herzustellen. So bieten mehr als acht von zehn Unternehmen Teilzeitarbeit an, individuell vereinbarte Arbeitszeitarrangements sind in rund sieben von zehn Betrieben möglich. Mehr als die Hälfte der Firmen setzt auf Vertrauensarbeitszeit, bei der die Beschäftigten weitgehend selbst bestimmen können, wann sie ihr Pensum erledigen.

Auch wenn Mitarbeiter kurzfristig ihre Arbeitszeiten verändern möchten, reagieren die meisten Betriebe flexibel. Ein plötzlich auftretender Pflegefall in der Familie etwa kann dazu führen, dass jemand seine Stundenzahl reduzieren möchte – was in rund sechs von zehn Unternehmen auch möglich ist, in fast jedem Vierten sogar umgehend.

Auch im umgekehrten Fall, wenn Beschäftigte ihr monatliches Arbeitsquantum aufstocken wollen, zeigen sich viele Betriebe entgegenkommend. Rund ein Drittel der Unternehmen erfüllt solch einen Wunsch kurzfristig, ein Viertel immerhin nach einer Weile. Nicht einmal zwei Prozent der Unternehmen lehnen einen Wunsch nach Veränderung der Arbeitszeit ab.

Fördermaßnahmen für Mitarbeiter mit familiären Pflichten dienen ebenfalls dazu, eine Arbeitskultur zu schaffen, in der sich Familie und Beruf besser vereinbaren lassen. Zu diesen Maßnahmen zählen zum Beispiel die Rücksichtnahme auf Eltern bei Planungs- und Organisationsprozessen oder die Ermutigung von Männern, in Elternzeit zu gehen. Fast die Hälfte der Unternehmen ermöglicht den Beschäftigten, sich im Krankheitsfall über die gesetzlich geregelte Dauer hinaus um erkrankte Kinder zu kümmern.

Immer häufiger greifen Unternehmen auch auf Paten- und Weiterbildungsprogramme während der Dauer von Auszeiten zurück, die es Mitarbeitern möglich machen, auch während einer Arbeitszeitreduzierung am Ball zu bleiben. Relativ selten werden dagegen (noch) Betriebskindergärten, Unterstützung bei der Pflege sowie haushaltsnahe Dienstleistungen angeboten.

Häufig wird die Frage gestellt, ob sich eine familienfreundliche Unternehmenspolitik auszahlt. Auf den ersten Blick scheint das der Fall: Laut Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit sind ausgeprägt familienbewusste und engagierte Unternehmen meist auch erfolgreicher als solche, die auf die privaten Lebensumstände ihrer Mitarbeiter wenig eingehen.
Allerdings ist nicht ganz klar, warum das so ist: Steigern Teilzeitmodelle, Vertrauensarbeitszeit und Betriebskindergärten die Motivation der Mitarbeiter und damit letztlich die Unternehmensrenditen? Oder haben ohnehin erfolgreiche Firmen einfach nur mehr Spielräume für eine familienfreundliche Unternehmenskultur?

Auch wenn die Wirkungsweise noch nicht endgültig belegt ist – es spricht vieles dafür, dass ein ganzheitliches Personalmanagement, zu dem auch familienbewusste Maßnahmen gehören, den Grundstein für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens legt. Denn wer personalpolitische Aspekte bereits im Vorfeld breit und flexibel angeht, ist meist auch im täglichen Geschäft um schnelle und praktikable Lösungen nicht verlegen.