News

10.10.2013
Weiterbildung: Auch im Alter wissbegierig

Berufsanfänger mit ihrem frischen Wissen von der Uni oder der Berufsschule sind das eine – gestandene Mitarbeiter und ihre langjährige Erfahrung das andere. Das wissen die Unternehmen – und profitieren davon, dass sich immer mehr Mitarbeiter auch im Alter weiterbilden.

Jahrzehntelang war es gang und gäbe, dass sich ältere Erwerbstätige deutlich seltener weitergebildet haben als jüngere. Das hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert – Weiterbildungen sind mittlerweile über alle Altersgruppen hinweg eher die Regel als die Ausnahme: Mehr als die Hälfte aller Erwerbstätigen im Alter von 18 bis 64 Jahren hat im vergangenen Jahr an Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen.

In der Gruppe der 25- bis 49-Jährigen nahmen bis zu 60 Prozent an solchen Maßnahmen teil, bei den Jüngeren waren es mehr als 50 Prozent – bei ihnen liegt allerdings die Erstausbildung auch noch nicht sehr lange zurück. Einen qualitativen Sprung aber gab es bei den 60- bis 64-Jährigen. In dieser Altersgruppe beträgt die Weiterbildungsquote nunmehr 46 Prozent – ein Plus von 14 Prozentpunkten innerhalb weniger Jahre.

In den Unternehmen kommen die bildungshungrigen älteren Mitarbeiter gut an, denn in Zeiten des Fachkräftemangels gewinnt die betriebliche Weiterbildung immer mehr an Bedeutung. Die Gesamtbevölkerung wird immer älter und schrumpft gleichzeitig – mit drastischen Auswirkungen auf das Angebot an Erwerbstätigen und Fachkräften in Deutschland. In den kommenden Jahren werden viele erfahrene Fachkräfte aus dem Erwerbsleben ausscheiden und in Rente gehen. Die Anzahl der auf den Arbeitsmarkt nachrückenden Jüngeren ist allerdings zu gering, um sie komplett ersetzen zu können.

Bis 2025 verringert sich die Zahl der potenziellen Erwerbspersonen in Deutschland um bis zu 6,5 Millionen Personen, wenn die Erwerbsbeteiligung auf dem heutigen Stand bleibt und keine ausreichende Zuwanderung stattfindet. Das bedeutet, dass eine Zunahme der bereits heute bestehenden Fachkräfteengpässe absehbar ist. Da zukünftig noch mehr Berufe und Branchen als heute betroffen sein werden, werden auch immer mehr Unternehmen vor der Herausforderung stehen, ihren Fachkräftebedarf ausreichend zu sichern.
Und die Firmen handeln: Eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat ergeben, dass lediglich rund 15 Prozent der Unternehmen glauben, die Weiterbildung Älterer rentiere sich weniger als die der Jüngeren. Zwei Drittel der Betriebe wollen vielmehr das wertvolle Wissen und die Erfahrungen ihrer älteren Mitarbeiter im Unternehmen behalten und so an jüngere weitergeben. Die Bedeutung der Weiterbildung in Zeiten bestehender und sich weiter zu verstärken drohender Fachkräfteengpässe wird von der Mehrheit der Unternehmen klar erkannt. Die Ergebnisse der IW-Weiterbildungserhebung legen damit nahe, dass für die Deckung des Bedarfs an Fachkräften primär ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie An- und Ungelernte als Potenzial verstanden und verstärkt weiterqualifiziert werden – ein Befund, der sich über alle Unternehmensgrößen stabil zeigt.

Befragungen älterer Erwerbstätiger durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zeigen darüber hinaus, dass sich sechs von zehn älteren Beschäftigten keine speziellen Weiterbildungsangebote für ihre Altersgruppe wünschen. Ältere Menschen lernen zwar anders als jüngere und bevorzugen Formen und Inhalte des Lernens, die stärker auf den bereits vorhandenen Fähigkeiten aufbauen – sie wollen aber nicht unter sich, sondern in gemischten Teams lernen. Der Aussage, dass Arbeiten in altersgemischten Teams mehr Vorteile bringt als Weiterbildung allein für Ältere, stimmt zudem auch mehr als die Hälfte der Unternehmen zu – unabhängig von der Unternehmensgröße. Dabei wollen sich die älteren Semester – auch das zeigen die Befragungen – in erster Linie zusätzliches berufliches Wissen aneignen. Besonders gefragt sind Kommunikations- und Persönlichkeitstrainings, aber auch Weiterbildungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik.