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23.05.2014
Willkommenskultur

Bitte recht freundlich

Der demografische Wandel führt in Deutschland zu Fachkräfteengpässen und Problemen in den umlagefinanzierten Sozialsystemen. Qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland könnte diesen Entwicklungen entgegenwirken. Dazu braucht Deutschland nicht nur liberale Zuwanderungsregelungen, sondern auch eine gelebte und offene Willkommenskultur.

Der Großteil der Migranten, die sich in Deutschland ansiedeln, stammt aus Europa: Die meisten Zuwanderer kamen 2012 aus Polen, Rumänien und Bulgarien – aus Ländern also, die selbst bereits demografische Probleme haben. Damit der Zustrom an qualifizierten Fachkräften nicht abebbt, muss Deutschland deshalb verstärkt um Zuwanderer aus Ländern werben, in denen die Bevölkerung stetig wächst. Dies ist vor allem in Süd- und Südostasien der Fall. Um Einwanderer zu gewinnen, wird es jedoch nicht ausreichen, die Zugangswege weiter zu öffnen – zum Beispiel mit der Blauen Karte EU. Menschen aus dem Ausland müssen gezielt angesprochen und auf dem Weg in den deutschen Arbeitsmarkt und die deutsche Gesellschaft begleitet werden.

In der Öffentlichkeit hat sich dafür der Begriff der Willkommenskultur etabliert: Neuzugewanderten soll das Gefühl vermittelt werden, hierzulande erwünscht und willkommen zu sein – eine Aufgabe, die gleichermaßen auf Behörden, Unternehmen und die Gesellschaft in Deutschland zukommt. Denn viele Zuwanderer sind über ihre Zukunftsperspektiven in der Bundesrepublik nur unzureichend informiert, was vor allem für Visa- und Anerkennungsfragen gilt, aber auch ganz alltägliche Dinge des Lebens betrifft.

Die größten Probleme, mit denen Ausländer in Deutschland zu kämpfen haben:

•    Bürokratie. Trotz der schrittweisen Liberalisierung des Zuwanderungsrechts seit 2005 empfinden immer noch viele Zuwanderer aus Drittstaaten die deutschen Einreisebestimmungen als wenig transparent und schwer verständlich. Wünschenswert wäre ein elektronisches System der Aktenführung, das es Zuwanderern ermöglicht, Visaanträge online zu stellen und Verfahrensprozesse abzufragen.

•    Anerkennung von Abschlüssen. Während die Hochschulen bei der Prüfung ausländischer Hochschulabschlüsse relativ gut aufgestellt sind, lässt die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse häufig zu wünschen übrig. Laut einer Umfrage hat jeder zehnte Europäer große Bedenken, ob seine Qualifikationen im europäischen Ausland anerkannt werden. Um den Zuzug von Fachkräften zu fördern, ist es deshalb unerlässlich, klare Regelungen und einfache Verfahren für die Anerkennung ausländischer Abschlüsse zu schaffen.

•    Sprache. Sprachliche Defizite von Bewerbern sind gerade für die von Fachkräfteengpässen betroffenen kleinen und mittleren Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe besonders hinderlich. Aber auch für die Zuwanderer selbst sind mangelnde Sprachkenntnisse die größte Hürde bei der Arbeitsplatzsuche. Um die Jobsuche zu erleichtern, sollten Unternehmen deshalb Stellenausschreibungen auch in Englisch veröffentlichen.

•    Informations- und Beratungsangebote. Potenzielle Zuwanderer spricht man am besten bereits in ihrem Heimatland mit Informations- und Beratungsangeboten an. Dies kann über Internetplattformen wie das Willkommensportal www.make-it-in-germany.com geschehen oder über spezielle Ansprechpartner in den deutschen Institutionen im Ausland. In Deutschland selbst sollten die Behördengänge für Zuwanderer gebündelt werden, sodass Neuankömmlinge nicht nur in Visa-, sondern auch in Bildungs-, Integrations- und Beschäftigungsangelegenheiten von einer Stelle beraten werden.