Schlammhygienisierung mit Kalk: sicher und günstig

Sauber Kalk-kuliert

Eine Novellierung der Klärschlammverordnung wird ab 2009 die Anforderungen an die Klärschlammverwertung erhöhen. Sollten auch hygienische Parameter verschärft werden, ist die Ausbringung von Klärschlamm in der Landwirtschaft ohne Hygienisierung kaum noch möglich und der Weg in die teure Verbrennung vorbereitet. Der preiswerte und sichere Ausweg gegenüber einer thermischen Klärschlammhygienisierung ist die Nachkalkung.

Schlamassel absehbar

Eine Herabsetzung der Schwermetallgrenzen, die Einführung neuer organischer Schadstoffgrenzwerte und seuchenhygienische Verschärfungen führen bei vielen Kläranlagen zur entscheidenden Frage: Wohin mit dem Klärschlamm? Dass seit 1998 die Klärschlammmengen kontinuierlich sinken, die thermische Entsorgung des Schlamms gegenüber der landwirtschaftlichen Einbringung aber ständig steigt und so die Kosten sich erhöhen, ist nicht nur für den Verbrauchern ein Ärgernis. Da immer weniger Schlamm für die Landwirtschaft zur Düngung genutzt wird, geht auch die wichtige Ressource Phosphor verloren.

Steigende Kosten statt nützlicher Verwertung

Sieht man sich die Kosten-/Nutzenrelation der Schlammverwertung im Vergleich an, so fällt auf, dass die Verbrennung in Kraftwerken oder Verbrennungsanlagen kostenintensiv ist. Diese Verwertungswege aber können noch zunehmen, wenn es nicht gelingt, die Akzeptanz der landwirtschaftlichen Verwertung z.B. durch die geplanten Hygienisierungsvorschriften in der Novellierung der Klärschlammrichtlinie zu erhöhen. Eine stoffliche Verwertung des Klärschlamms in der Landwirtschaft ist nicht nur günstiger, sondern unterstützt vor allem die Ressourcenschonung von Phosphor auch bei einer Hygienisierung mit Kalk.

Rohschlammerhitzung oder Nachkalkung?

Gängige Methoden zur Hygienisierung werden seit Jahren in der Abwasserbehandlung eingesetzt. Wer gleich nebenan ein Heizkraftwerk hat, der wird wahrscheinlich die Heizenergie nutzen, um durch Erhitzen des Rohschlamms den Hygienisierungsprozess durchzuführen. Doch die steigenden Energiekosten sind nicht zu unterschätzen und können kaum gegen die geringen Kosten einer Nachkalkung ankommen. Und wo liegt die Kläranlage  gleich neben dem Stromerzeuger?

Klare Kalkulationsvorteile mit Kalk

Summa summarum: Wenn zwei gleichwertige Verfahren zur Auswahl stehen, dann wird das preisgünstigere gewählt. Vergleichen wir die Energie- bzw. Transportkosten mit den Kosten für die Kalkzugaben, so geht die Rechnung auf: Zur Hygienisierung von z.B. Bakterien und ECBO-Viren werden zwischen 0,3 und 0,6 kg Kalk (CaO) pro kg Trockensubstanz benötigt. Durch die Reaktion erhöht sich die Temperatur von selbst. Der steigende pH-Wert (pH>12) führt zu einer nachhaltigen Hygienisierung und verhindert Wiederverkeimung. Eine Wiederverkeimung der Mischung auch nach Lagerzeit über mehrere Wochen findet nicht statt. Im Gegenteil, nach einer längeren Einwirkzeit lassen sich sogar Ascarideneier mit der Kalkmenge inaktivieren.*

Und so sieht die Rechnung aus:**

75 kg CaO pro Tonne entwässertem Klärschlamm:

  • Kapitalkosten: ca. 2,50 EUR/Mg OS
  • Kalkkosten: 7,5 EUR/Mg OS
  • Zusätzliche Entsorgungskosten: 2,63 EUR/Mg OS

Mehrkosten insgesamt: 12,63 EUR/Mg OS

Damit liegen die gesamten Entsorgungskosten bei der Hygienisierung mit Kalk (48,- EUR/Mg OS) erheblich niedriger als bei der Rohschlammhygienisierung (69,- EUR/Mg OS) und deutlich unter denen der Mitverbrennung (65 EUR/Mg OS).

*Forschungsgemeinschaft Kalk und Mörtel e.V., Forschungsbericht Nr.1/03 / C 023 i/e. V. Schirm, W. Philipp, R. Böhm, A. Wecker und N. Weber: Entwicklung einer sicheren Methode zur Bioabfallhygienisierung mit Kalk.
**nach Karl-Georg Schmelz (Essen): Auswirkungen von Hygieneanforderungen auf die Kosten und die Wege der Klärschlammentsorgung, KA – Abwasser, Abfall 2007 (54) Nr.10

 

Es bleibt – Novellierung hin, steigende Energiepreise her – wieder einmal der Grundsatz: schlecht kalkuliert, wer ohne Kalk kalkuliert!


Literatur: K.-G. Schmelz: Auswirkungen von Hygieneanforderungen auf die Kosten und die Wege der Klärschlammentsorgung, KA-Abwasser, Abfall 2007 (54) Nr.10, S.1029

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