Stromnetze Ausbau

Die Energiewende in Deutschland ist beschlossene Sache. Damit gleichzeitig eine sichere Stromversorgung der energieintensiven Industrien gewährleistet werden kann, ist ein Ausbau der Transportwege nicht nur dringend notwendig, sondern längst überfällig.

Im Jahr 2010 transportierte das deutsche Stromnetz über 100.000 Gigawattstunden Strom aus Wind, Wasser, Biomasse und Sonne durch die Republik ? das war bereits fast ein Fünftel der gesamten Strommenge. Schon heute besteht jedoch das Problem, dass das historisch gewachsene Stromnetz bei weitem nicht ausreichend für die moderne Art der Stromproduktion ausgelegt ist: Es wurde für eine zentrale Versorgung durch relativ wenige Großkraftwerke entwickelt.

Heute und in Zukunft wird Strom jedoch an vielen verschiedenen Orten produziert, etwa an der Küste oder in ländlichen Regionen, die große Flächen für Windparks bieten. Besonders in diesen Regionen Deutschlands könnte das Netz bald unter der Last zusammenbrechen. Der dort produzierte immense Überschuss an Solar- und Windstrom kann vor Ort nicht verbraucht, aber auch nicht in ausreichendem Maße abtransportiert werden.

Auch wenn die Milliardeninvestitionen in den Netzausbau schmerzen mögen ? sie lohnen sich angesichts der enormen Kosten eines Blackouts: Eine Kilowattstunde kostet industrielle Großabnehmer circa 15 Cent, pro ausgefallene Kilowattstunde gehen aber mindestens 5 Euro Wertschöpfung verloren errechnete das Institut der deutschen Wirtschaft, Köln.

Die derzeitige Situation der Stromversorgung ist jedoch ? besonders im internationalen und historischen Vergleich ? noch sicher: 2006 gingen durchschnittlich bei jedem Stromverbraucher 20 Minuten lang die Lichter aus, 2010 waren es weniger als 15 Minuten. Ein Vergleich des IW Köln zeigt: In Europa erreicht lediglich Dänemark mit 23 Minuten Stromausfall einen ähnlich guten Wert; in Frankreich etwa saß man 2010 eine knappe Stunde im Dunkeln. In den USA ist die Situation ungleich instabiler. Aktuelle Zahlen aus Kalifornien zeigen beispielsweise, dass Kunden des regionalen Stromversorgers PacifiCorp durchschnittlich 1.000 Minuten ohne Strom auskommen müssen.

Solche langen und großflächigen Stromausfälle schlagen einer Volkswirtschaft hart ins Kontor, denn die Auswirkungen beeinflussen die Arbeitsprozesse direkt und unmittelbar. Bleibt der Strom plötzlich weg, wird der Verkehr blockiert, die Kommunikation wird stark beeinträchtig, und Industriebetriebe können nicht produzieren. Ein Beweis dafür, dass jede nicht übermittelte Kilowattstunde um ein Vielfaches teurer ist als ihr Marktwert: Ein Missverhältnis von 5 Euro Einbußen zu 15 Cent Stromkosten pro Kilowattstunde. Bleibt der Strom nur wenige Stunden aufgrund eines Netzzusammenbruchs weg, sind bereits Schäden in Milliardenhöhe eingetreten. Allein dies spricht dafür, die Netze auch in Zukunft stabil zu halten und dafür umfassend zu investieren.

Die Kosten für einen adäquaten Netzausbau der Netze mit der höchsten Spannung belaufen sich laut Deutscher Energie-Agentur in den kommenden acht Jahren auf 10 bis 16 Milliarden Euro. Hinzu kommen dem Bund der Energie- und Wasserwirtschaft zufolge weitere 10 bis 27 Milliarden Euro für die Verteilnetze. Zusammen ergäbe dies ein Investitionsvolumen von etwa 2 bis 4 Milliarden Euro pro Jahr.

Kosten, die sich rechnen werden: Bei einem täglichen Stromverbrauch von 1,6 Milliarden Kilowattstunden in Deutschland summieren sich die fünf Euro pro Kilowattstunde, die in der Wertschöpfung durch einen Blackout verloren gingen, derart, dass bei einem flächendeckenden Stromausfall bereits nach einem halben Tag die jährlichen Investitionen in das Stromnetz mehr als ausgeglichen sind.