News aus 2026

Kalk braucht Zukunft – Zukunft braucht Kalk:

Deutsche Kalkindustrie setzt auf Transformation, Rohstoffsicherung und fordert politische Rahmenbedingungen ein

Auf ihrer Mitgliederversammlung am 12. Juni 2026 im Quellenhof in Aachen hat die deutsche Kalkindustrie wichtige personelle und inhaltliche Weichen für die Zukunft gestellt. Im Mittelpunkt standen die schwierige wirtschaftliche Lage der Branche, die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland, die industrielle Transformation hin zur Klimaneutralität sowie die langfristige Sicherung und Verfügbarkeit heimischer Rohstoffe.

Neue Aufgabenverteilung im Vorsitzenden-Kreis

Im Rahmen der Mitgliederversammlung beschlossen die Mitglieder eine Neukonstellation des Vorsitzes: neuer Vorsitzender des Bundesverbandes der Deutschen Kalkindustrie e.V. (BVK) wird Dr. Burkhard Naffin, Chief Commercial Officer der SigmaRoc PLC. Als stellvertretende Vorsitzende wurden Alexia Spieler, CEO Lhoist Europe und Lhoist Germany, sowie Dr. Kai Schaefer, President Technical Services, Operations & Research SCHAEFER KALK, gewählt.

Mit der neuen Aufgabenverteilung setzt der Verband auf Kontinuität und die enge Zusammenarbeit eines erfahrenen Führungsteams. Alexia Spieler, die den Verband in den vergangenen zwei Jahren als Vorsitzende geführt hat, wird die Verbandsarbeit künftig als stellvertretende Vorsitzende weiter gestalten.

Die Mitgliederversammlung dankte dem Vorsitzenden-Kreis und dem Team um den HGF Martin Ogilvie ausdrücklich für das große Engagement in einer für die Branche herausfordernden Zeit. Gemeinsam habe die Verbandsspitze wichtige politische Anliegen vorangebracht und die Interessen der Kalkindustrie auf nationaler und europäischer Ebene mit Nachdruck vertreten. Der BVK freut sich auf die Fortsetzung der vertrauensvollen und konstruktiven Zusammenarbeit.

Dr. Burkhard Naffin erklärte nach seiner Wahl „Die Kalkindustrie steht vor großen Aufgaben. Gleichzeitig verfügen wir über die Kompetenz, die Innovationskraft und den Gestaltungswillen, diese Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. Gemeinsam werden wir uns weiterhin für wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, Rohstoffsicherung und die erfolgreiche Transformation unserer Branche einsetzen.“

Wirtschaftliche Lage bleibt herausfordernd

In ihrem Bericht an die Mitgliederversammlung zeichnete Alexia Spieler ein realistisches Bild der aktuellen Situation der Kalkindustrie. Die Branche leidet weiterhin unter der schwachen Industriekonjunktur und der anhaltenden Krise der Bauwirtschaft. Gleichzeitig sieht der Verband erste positive Signale aus Berlin und Brüssel. Industriepolitische Initiativen, Fortschritte beim Bürokratieabbau sowie eine stärkere Fokussierung auf Wettbewerbsfähigkeit und strategische Wertschöpfungsketten seien wichtige Schritte zur Stärkung des Industriestandorts Deutschland und Europas.

„Deutschland und Europa verfügen über ein enormes industrielles Potenzial mit weltweiter Strahlkraft. Dieses Potenzial müssen wir jetzt gemeinsam stärken und aktiv weiterentwickeln“, betonte Spieler. 

Der BVK erwartet hierfür wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen von der Politik. Dazu gehören insbesondere der Abbau bürokratischer Belastungen, eine moderne und leistungsfähige Verwaltung, international wettbewerbsfähige Unternehmenssteuern sowie Entlastungen bei Energie-, Arbeits- und Lohnnebenkosten.

Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz gemeinsam stärken

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sieht die Kalkindustrie wichtige Fortschritte bei zentralen industriepolitischen Themen. Dazu zählen die gesetzlichen Grundlagen für Carbon Management, die Öffnung der Klimaschutzverträge für CCS-Projekte sowie die dauerhafte Senkung der Stromsteuer für die Industrie.

Gleichzeitig begrüßt die Branche die zunehmende industriepolitische Fokussierung auf Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung in Deutschland und Europa. Entscheidend sei nun, dass politische Ankündigungen zügig in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden.

Ein zentrales Anliegen bleibt die Einbeziehung der Kalkindustrie in den Industriestrompreis. Gemeinsam mit dem europäischen Kalkverband EuLA setzt sich der BVK dafür ein, die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Grundstoffindustrien nachhaltig zu stärken und Investitionen am Standort Europa zu ermöglichen.

Philip Nuyken, Geschäftsführer Politik, betonte „Politik ist handlungsfähig. Das haben die vergangenen Monate gezeigt. Jetzt kommt es darauf an, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen und konkrete Umsetzungen voranzutreiben. Wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Bürokratie und verlässliche Rahmenbedingungen sind entscheidend, damit Industrie und Klimaschutz gemeinsam erfolgreich sein können.“

Klimaneutralität braucht verlässliche Rahmenbedingungen

Ein zentraler Schwerpunkt der Mitgliederversammlung war die weitere Transformation der Kalkindustrie hin zur Klimaneutralität. Mit ihrer Roadmap „Klimaneutraler Kalk 2045“ verfügt die Branche über einen klaren Fahrplan zur Erreichung ihrer Klimaziele.

Die Unternehmen investieren bereits heute in erneuerbare Energieträger, Energieeffizienz, Speichertechnologien und innovative Verfahren zur CO₂-Abscheidung. Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung dieser Vorhaben sind wettbewerbsfähige Energiepreise, der zügige Ausbau der CO₂- Infrastruktur sowie verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen für Transport, Nutzung und Speicherung von CO₂.

Positiv bewertet die Branche die Fortschritte im Bereich Carbon Management sowie die zunehmende politische Unterstützung für Carbon-Capture-and-Storage-Technologien (CCS). Die geplante gesetzliche Öffnung für Onshore-CCS in Baden-Württemberg wird als wichtiges Signal für den Industriestandort Deutschland gewertet. HGF Martin Ogilvie fordert ganz klar: „Wir brauchen aus Gründen der Umsetzbarkeit von CCS an unseren oft ländlichen Standorten Onshore CCS in Deutschland. Wirtschaftlichkeit und Resilienz kommen hinzu. Es wäre falsch, auf Onshore-CCS als Teil zukünftiger Wertschöpfung in Deutschland zu verzichten. 

Rohstoffsicherung als Voraussetzung für Transformation und Wertschöpfung

Neben Energie- und Klimapolitik rückte die Mitgliederversammlung die langfristige Sicherung heimischer Rohstoffe in den Fokus. Mit seinem aktuellen Positionspapier fordert der BVK eine Modernisierung und Beschleunigung der Genehmigungs- und Planungsverfahren, um die Versorgung mit heimischem Kalkstein langfristig sicherzustellen.

Der technische Geschäftsführer Dr. Klaus-Ruthard Frische erklärte: „Ohne gesicherte Rohstoffversorgung gibt es keine industrielle Transformation. Kalkstein ist ein unverzichtbarer heimischer Rohstoff für zahlreiche Wertschöpfungsketten. Deshalb brauchen wir schnellere, transparentere und rechtssichere Genehmigungsverfahren, damit Versorgungssicherheit, Investitionen und Klimaschutz gleichermaßen gelingen können.“

Digitalisierung eröffnet neue Perspektiven

Einen Blick auf die technologische Zukunft des Rohstoffsektors warf Prof. Dr.-Ing. Elisabeth Clausen, Leiterin des Institute for Advanced Mining Technologies der RWTH Aachen. In ihrem Gastvortrag „Smart Mining – Bergbau 4.0“ zeigte sie auf, wie Digitalisierung, Automatisierung und intelligente Technologien die Rohstoffgewinnung verändern und neue Potenziale für Effizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit erschließen.

Die anschließende Diskussion verdeutlichte, dass digitale Technologien künftig auch für die Kalkindustrie eine wichtige Rolle bei der Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit spielen werden.

Kalk braucht Zukunft – und die richtigen Rahmenbedingungen

Die Mitgliederversammlung in Aachen machte deutlich: Die deutsche Kalkindustrie ist bereit, ihren Beitrag für Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz zu leisten. Die Unternehmen investieren in neue Technologien, treiben die Transformation ihrer Produktionsprozesse voran und arbeiten an innovativen Lösungen für eine klimaneutrale Industrie.

Damit diese Investitionen in Deutschland und Europa stattfinden können, braucht es jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen. Dazu gehören wettbewerbsfähige Energiekosten, eine leistungsfähige CO₂- und Wasserstoffinfrastruktur, beschleunigte Genehmigungsverfahren sowie eine langfristig gesicherte Rohstoffversorgung.

BVK-Hauptgeschäftsführer Martin Ogilvie appellierte daher an die politischen Entscheidungsträger:

„Unsere Industrie verfügt über Know-how, Innovationskraft und mutige Unternehmerinnen und Unternehmer und die Kalkindustrie ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und in ihre Zukunft zu investieren. Jetzt ist die Politik gefordert, die notwendigen Voraussetzungen für Wettbewerbsfähigkeit, Transformation und Versorgungssicherheit zu schaffen. Nur mit einer starken industriellen Basis werden Deutschland und Europa ihre wirtschaftlichen und klimapolitischen Ziele erreichen. Denn: Kalk braucht Zukunft. Und Zukunft braucht Kalk“.