News aus 2026

Kalkindustrie warnt: Absenkung des Carbon-Leakage-Schutzes im Emissionshandel bedroht die Wettbewerbsfähigkeit

Neue Benchmarkwerte der EU setzen Technologien voraus, die in der Kalkindustrie noch nicht verfügbar sind. Der Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie fordert eine grundlegende Reform des EU-Emissionshandels und notwendige Rahmenbedingungen für die Transformation.

Anlässlich des EU-Beschlusses zum Schutz der Industrie vor Carbon Leakage äußert sich Martin Ogilvie, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Kalkindustrie kritisch:

Der EU-Beschluss zum Carbon Leakage Schutz ignoriert die technischen und regulatorischen Hürden, vor denen unsere Industrieunternehmen stehen. Für die Kalkindustrie bedeuten die neuen Benchmarkwerte, dass die besten Anlagen bereits Carbon Capture Anlagen betreiben. Es gibt in Europa aber keine einzige Carbon Capture Anlage in der Kalkindustrie. Damit fordert die EU-Kommission etwas, dass die Kalkindustrie heute noch nicht leisten kann. Das ist realitätsfern.“

Aufgrund regulatorischer Fehlstellungen im Europäischen Emissionshandel und unfairer Wettbewerbssituation fordert die Kalkindustrie eine grundlegende Überarbeitung des Emissionshandel. Hierzu haben sich unsere Unternehmen in einem sektorübergreifenden Brief an die Spitze der EU und der Mitgliedsstaaten gewandt“, so Martin Ogilvie weiter. „Weit mehr als die Hälfte aller globalen CO2-Einnahmen werden durch den EU-ETS und den deutschen Emissionshandel generiert. Dabei steht die EU-Industrie für nur einen niedrigen einstelligen Prozentsatz der globalen Emissionen. Das sind keine fairen Bedingungen. Die fehlende Ambition im Rest der Welt zwingt uns leider zu Anpassungen. Diese haben u.a. die Chemie-, Stahl- und Kalkindustrie in einem deutlichen Schreiben an die politischen Entscheider adressiert.“

Martin Ogilvie betont die große Herausforderung der EU: „Kein Klimaschutz ist keine Lösung. Aber die EU muss sich entscheiden, ob sie Klimaschutz mit einer starken, innovativen Industrie will oder diese abwandert und so unsere Emissionen vermeidlich sinken. 240.000 verlorene Industriearbeitsplätze allein in Deutschland seit 2024 sind mehr als ein Warnsignal. Die Kalkindustrie appelliert an die EU und die Bundesregierung, den EU-ETS an die Realität anzupassen. Das bedeutet in der Konsequenz, den Carbon Leakage Schutz zu verstärken, den Reduktionspfad auf 2050 auszurichten und die Nebenbedingungen zu erfüllen. Dafür braucht es günstigere Stromsystemkosten, CO2-Infrastruktur und Onshore-Speicherung, Bürokratieabbau und die Beschleunigung von Industrieprojekten.“