Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Austauschs zwischen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Kalkindustrie bei der Fels-Werke GmbH in Münchehof. „Nur wenn politische Entscheidungsträger die Praxis kennen, können die richtigen Rahmenbedingungen für Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Klimaneutralität geschaffen werden“, betonte Dr. Lars Pfeiffer, CEO der Fels-Werke GmbH.
Es informierten sich Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, die Bundestagsabgeordneten Frauke Heiligenstadt und Dunja Kreiser sowie die Landtagsabgeordneten Christian Frölich und Alexander Saade, über die Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der Kalkindustrie.
Nach der Begrüßung durch Dr. Lars Pfeiffer führte die Werksbesichtigung zunächst in den Steinbruch. Dort erhielten die Gäste einen Einblick in die Gewinnung des heimischen Rohstoffs Kalkstein und erlebten eine planmäßige Sprengung.
Für den Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie e. V. (BVK) begleiteten Dr. Burkhard Naffin, Vorsitzender des Verbandes und Group ExCo Member Involve (CCO) von SigmaRoc sowie Philip Nuyken, Geschäftsführer Politik, den Austausch.
Grundlage industrieller Wertschöpfung: Heimische Rohstoffe sichern
Im Steinbruch wurde deutlich, heimische Rohstoffe stehen am Beginn industrieller Wertschöpfung. Sie schaffen zudem Versorgungssicherheit. Die Gewinnung von Rohstoffen ist die Grundlage für die Kalkindustrie. Nur mit ausreichend Rohstoffgewinnung kann die Kalkindustrie langfristig in Deutschland produzieren. Die Vertreter der Fels-Werke und des BVK machten daher deutlich, dass schnellere Genehmigungs- und Planungsverfahren notwendig sind, um Investitionen in die heimische Rohstoffgewinnung sicherzustellen und den Industriestandort Deutschland langfristig zu stärken.
Philip Nuyken lobte die verbesserten Bedingungen für Infrastrukturprojekte durch das Infrastruktur-Zukunftsgesetz, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass die Gewinnung von Rohstoffen bisher nicht prioritär behandelt wird. Zudem müsse dringend darauf geachtet werden, dass zukünftige Gesetzgebung das Rad nicht wieder zurückdreht und bisherige Fortschritte zunichte macht. Die Gefahr bestehe auf nationaler wie auch auf europäischer Ebene trotz Versprechen, Bürokratie abzubauen.
Standortfaktor der Industrie: Energiekosten wettbewerbsfähig machen
Im Kalkwerk diskutierten die Teilnehmer über die Bedeutung international wettbewerbsfähiger Energiekosten für den Erhalt energieintensiver Industrien und ihrer Arbeitsplätze. Gemeinsam mit dem Bundesverband bekräftigten die Unternehmensvertreter ihre Forderung nach einer Ausweitung und Entfristung des Industriestrompreises auf weitere nachweislich betroffene Sektoren. Die Kalkindustrie hat hierzu ein eigenes Sektorgutachten vorgelegt und setzt sich für verlässliche energiepolitische Rahmenbedingungen ein.
Dr. Burkhard Naffin hob hervor: „Die Kalkindustrie erfüllt bereits heute die Kriterien für den Industriestrompreis. Für die Wettbewerbsfähigkeit und eine klimaneutrale Kalkproduktion in Deutschland ist es daher entscheidend, dass unsere Branche beim Industriestrompreis berücksichtigt wird. Dies schafft eine wichtige Grundlage für weiter notwendige Zukunftsinvestitionen und deren Wirtschaftlichkeit.“
Carbon Management als Schlüssel zur Klimaneutralität
Kalk kann Klimaschutz. Dafür ist Carbon Management der Schlüssel. Da ein Großteil der CO₂-Emissionen bei der Kalkherstellung rohstoffbedingt entsteht und sich prozessbedingt nicht vermeiden lässt, sind CO₂-Abscheidung, Transport und Speicherung unverzichtbare Bausteine auf dem Weg zur Klimaneutralität.
Dafür sind insbesondere der schnelle Ausbau einer CO₂-Transportinfrastruktur sowie die Möglichkeit der Onshore-Speicherung erforderlich. Kernfrage ist, wie sich die Kosten für die klimaneutrale Kalkproduktion senken lassen, denn neben den enormen Investitionen sind es die laufenden Kosten, welche über die Wirtschaftlichkeit jedes Projektes entscheiden. Niedersachsen verfügt aufgrund seiner geologischen Voraussetzungen über hervorragende Bedingungen für die sichere Speicherung von CO₂. Gleichzeitig kann eine Onshore-Speicherung die Kosten gegenüber reinen Offshore-Lösungen deutlich reduzieren und Wertschöpfung im Inland sichern.
„Unser Ziel ist es Wertschöpfung im Land zu halten. Das gilt für Kalk, aber auch für die Industrie insgesamt – alt wie neu. Speichern wir das CO2 der Kalk- und Zementindustrie sowie der Abfallwirtschaft in Deutschland, anstatt es nach Norwegen zu schiffen, hat das einen Wert von 2,5 Mrd. Euro. Geld, das in unsere Kommunen fließen sollte und auch kann“, ergänzt Philip Nuyken.
Praxiseinblick schafft Verständnis
Mit politischen Besuchen in den Mitgliedswerken des BVK wird den Verantwortlichen ein konkreter Einblick in die Praxis der Kalkindustrie gegeben. Die Unternehmen der Kalkindustrie sind Rohstoffgewinner, industrieller Grundstoffproduzent, Garant für Versorgungssicherheit mit heimischen Produkten u. a. der Industrie, der Bauwirtschaft und der Wasseraufbereitung. Darüber hinaus bilden die Betriebe der Kalkindustrie die technischen Fachkräfte von morgen aus. Mit hohen Sicherheitsstandards und Tarifbindung ist und will die Kalkindustrie auch in Zukunft ein guter, verlässlicher Arbeitgeber sein. Gemeinsam mit der Politik vor Ort und im Bund arbeiten der BVK und seine Mitgliedsunternehmen an guten gesetzlichen Regelungen.
Der Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie bedankt sich bei den Fels-Werken für die Ausrichtung des Termins sowie bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den konstruktiven Dialog.
FOTOS: Fels-Werke und StK Niedersachsen