Die vergangenen Monate waren von unvorhersehbaren externen Ereignissen insbesondere der Energiekrise geprägt und stellten somit eine erhebliche Anforderung für die Mitgliedsunternehmen der energieintensiven und CO2-intensiven Kalkindustrie dar.
Der Vorsitzende des BVK Thomas Perterer fasste diese Herausforderungen zusammen: Die Notwendigkeit von Resilienz und Agilität erstreckt sich derzeit nicht nur auf den Verband, sondern auch auf die Mitgliedsunternehmen und die deutsche Industrie im Allgemeinen. Etablierte Geschäftsmodelle wurden aufgrund unvorhersehbarer Ereignisse erschüttert, aus einem Umfeld der Planbarkeit und Berechenbarkeit wurde eines der sprunghaften Veränderung und dadurch haben sich auch die Anforderungen an Unternehmen rapide verändert. In Zeiten multipler Krisen und Verwerfungen sind innovative Antworten und Lösungen gefragt, um den neuen Herausforderungen gerecht zu werden. Die Kalkindustrie ist trotz allem vergleichsweise gut durch diese schwierige Zeit gekommen und hat erneut bewiesen, dass das Produkt "Kalk - Made in Germany" wirtschaftlich nachhaltig hergestellt werden kann. Zukünftig muss "Kalk - Made in Germany“ aber gleichzeitig auch CO2 neutral produziert werden.
Eine entscheidende Grundlage dafür sind stimmige Rahmenbedingungen, die derzeit noch nicht den mittel- und langfristigen Anforderungen einer energie- und CO2-intensiven Industrie entsprechen. Um diese Rahmenbedingungen auch für die Kalkindustrie zu erreichen, ist es erforderlich, den Beitrag der Kalkindustrie zu den Wertschöpfungsketen der nationalen Industrieproduktion und ihre Verantwortung im Bereich Klimaschutz herauszustellen. Allein das Argument der Systemkritikalität reicht nicht mehr aus. Die Branche muss glaubhaft darlegen, wie sie ihr unternehmerisches Handeln mit den gesetzlichen Vorgaben und den Erwartungen der Öffentlichkeit zur Reduzierung von Treibhausgasen in Einklang bringen kann.
Ein wichtiger Schritt in diese Richtung sind die CO2-Roadmaps des Europäischen und des Deutschen Kalkverbandes, die derzeit erarbeitet und überarbeitet werden. Hier wird klar aufgezeigt, wie die Transformation hin zu einer klimaneutralen Kalkproduktion erreicht werden kann und was dazu notwendig ist. Der BVK hat bereits begonnen, diese Inhalte bei relevanten Entscheidungsträgern erfolgreich zu platzieren. Dies spiegelt sich darin wider, dass der Verband regelmäßig zu den Diskussionen über die mittel- und langfristigen Rahmenbedingungen der deutschen Industrie eingeladen wird. Um diese Position weiter zu stärken, ist der BVK mit seinem Hauptstadtbüro noch präsenter in der Politik, um den intensiven Austausch mit politischen Vertretern, anderen Verbänden und Interessengruppen im Sinne der Kalkindustrie zu ermöglichen.
Die Kalkindustrie wird die klimaneutrale Kalkherstellung auf Grund ihrer hohen unvermeidbaren Prozessemissionen nur mit CCS und CCU erreichen können. Umso spannender war der Gastvortrag von Martin Frings, Projektleiter CO2 Infrastruktur bei Open Grid Europe GmbH (OGE), zum Stand der Schaffung einer notwendigen CO2 Infrastruktur und der Versorgungsgewährleistung mit Wasserstoff für die Kalkindustrie.
Im Jahr 2022 musste die Branche einen Absatzrückgang von -4,9 % bei den gebrannten Kalkprodukten verzeichnen. Auch das Jahr 2023 ist weiter negativ gestartet.
Angesichts der wirtschaftlichen Unwägbarkeiten und der fragilen globalen Sicherheitsarchitektur wagt der Verband keine Prognose für den weiteren Absatzverlauf des Jahres 2023.
Die Industrie zeigte sich gleichwohl optimistisch. Der BVK ist fest davon überzeugt, dass durch enge Zusammenarbeit im Verband, mit politischen Entscheidungsträgern und allen relevanten Stakeholdern die anstehenden Herausforderungen in Chancen verwandelt werden können und müssen. Dies ist von entscheidender Bedeutung, um die deutsche Industrielandschaft als Grundlage des nationalen und europäischen Wohlstands zu erhalten.